DB Cargo will bis Jahresende finanzielles Gleichgewicht erreichen

Bernhard Osburg, der Chef von DB Cargo, setzt alles daran, die schwer angeschlagene Güterbahn wieder in die trockenen Tücher zu bringen – und das möglichst schnell.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

2026 soll DB Cargo unter dem Strich endlich keine Verluste mehr ausweisen – jedenfalls hofft das Osburg, wie er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erwähnte. Dafür zieht er ein ziemlich rigoroses Spar- und Effizienzprogramm durch: Eine Milliarde Euro Kosten sollen bis 2030 eingespart werden. Klingt nach einer Zahl, die man erstmal schlucken muss. Der Plan: Rund 6.000 Jobs werden gestrichen – davon fallen etwa 4.000 direkt im Rahmen des Maßnahmenpakets weg, die restlichen 2.000 im Einzelwagenverkehr. Laut Osburg liegt der Fokus insbesondere darauf, die Produktivität überall im Konzern wieder auf das Niveau von vor fünf bis sieben Jahren zu hieven. Da schwingen auch ein bisschen Nostalgie und Ehrgeiz mit. Außerdem möchte die Führungsspitze das Unternehmen internationaler ausrichten. Denn, klar, viele Produktionen wandern aus Deutschland ab, aber irgendjemand muss die Waren trotzdem durch Europa schicken. Hier vermutet Osburg ordentlich Luft für Wachstum – ein Hoffnungsschimmer am Horizont, wenn man so will. Am Einzelwagenverkehr (also dem Transport einzelner Waggons statt kompletter Züge) hält Osburg fest. Laut ihm ist diese Sparte „systemrelevant“ für Deutschland, allerdings muss sie grundlegend modernisiert werden. Künftig sollen vier Hauptknotenpunkte (Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim, Nürnberg) die Produktion bündeln. Dazu kommen noch fünf wichtige Bahnhöfe für Seehäfen und große Industriestandorte. Von ehemals über 30 Rangieranlagen ist künftig nur noch von etwa 20 die Rede. Die Zahl der Werkstätten will man sogar auf nur zwölf drücken – die sollen möglichst nicht dichtgemacht, sondern verkauft werden; angeblich gibt es schon Interessenten. Ist das nun ein radikaler Schnitt oder ein vorsichtiger Neustart? Ehrlich gesagt: Vielleicht beides.

DB Cargo steckt tief in der Krise – Altlasten, hohe Schulden, wechselnde Managementteams und die Tatsache, dass wichtige Industriekunden wegbrechen beziehungsweise Produktionen verlagert werden, lasten schwer auf dem Unternehmen. Osburgs Sparprogramm, das vor allem den Personalabbau und die Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder umfasst, wird scharf beobachtet: Es gibt bereits Kritik von Gewerkschaften, die die Gefahr sehen, dass mit dem Kahlschlag fachliche und organisatorische Substanz verloren geht. Im internationalen Vergleich steht DB Cargo zunehmend unter Druck, denn andere europäische Anbieter investieren teils mehr in Digitaltechnik, Automatisierung und innovative Logistikkonzepte. Besonders schwierig ist dabei, dass der Einzelwagenverkehr technisch und wirtschaftlich anspruchsvoll bleibt – weswegen die angekündigten Veränderungen möglicherweise auch mit erhöhten Gebühren und geringerer Servicevielfalt für die Kunden einhergehen könnten.

Schlagwort aus diesem Artikel