Deaflympics und das neue Sportfördergesetz – DGSV drängt auf echte Gleichberechtigung

Köln – Die Bundesregierung hat den Entwurf für ein neues Sportfördergesetz präsentiert und schickt damit wichtige Signale Richtung Spitzensport. Besonders der Deutsche Gehörlosen-Sportverband (DGSV) zeigt sich erfreut, dass die Deaflympics darin erstmals konkret genannt werden – doch der Jubel hat seine Grenzen.

heute 09:04 Uhr | 3 mal gelesen

Die Wertschätzung, dass die Deaflympics endlich im Zentrum einer gesetzlichen Neuregelung erscheinen, weiß Daniel Haffke, der Vizepräsident Sport beim DGSV, zu schätzen: „Wir begrüßen, dass unser Sport sichtbar gemacht wird – das war längst überfällig.“ Gleichzeitig bleibt aber eine gewisse Skepsis spürbar, denn: Was bringt ein schönes Signal auf dem Papier, wenn die tatsächliche Gleichstellung ausbleibt?

Präsidentin Katharina Pape bringt es auf den Punkt: "Es reicht nicht, nur ab und zu erwähnt zu werden. Gehörlose sollten im Sport die gleichen Chancen haben wie alle anderen. Dafür braucht es verbindliche Regeln, keine Schleifen um die eigentliche Gerechtigkeitsfrage." Sie erinnert an die UN-Behindertenrechtskonvention, die diese Chancengleichheit nicht als Großzügigkeit, sondern als Recht verlangt.

Bisher taucht der deaflympische Sport zwar im Gesetzesentwurf auf, wird aber nicht gleichberechtigt mit Olympia oder den Paralympics behandelt. Ein klarer, rechtlicher Rahmen fehlt, auch bei Struktur, Entscheidungswegen und der Vergabe von Mitteln. Haffke mahnt: „Wer nur mitschwimmt, bleibt trotzdem oft am Beckenrand zurück.“

Besonders kritisch sieht der DGSV, dass andere Bereiche – wie der Sport für Menschen mit geistigen Einschränkungen – eigene Regelungen erhalten, Gehörlosensport aber nicht. Dabei sei dessen Situation genauso speziell: Sprachbarrieren, Dolmetscherbedarf, internationale Besonderheiten – alles Aspekte, die im aktuellen Text fehlen.

Der Verband fordert daher klar: Klare gesetzliche Regelungen müssen her, etwa um die Finanzierung von Gebärdensprachdolmetschung endlich verbindlich zu sichern. Ohne diese Basis bleiben Zuständigkeitsfragen offen, und gehörlose Sportlerinnen und Sportler laufen Gefahr, weiter ausgebremst zu werden.

Zum Abschluss stellt Pape klar: "Es geht nicht nur um Sport im engeren Sinn. Es geht auch um Anerkennung, Inklusion und unsere Haltung als Gesellschaft gegenüber Vielfalt und Gerechtigkeit."

Der Entwurf des neuen Sportfördergesetzes stellt einen deutlichen Fortschritt in der Anerkennung des deaflympischen Sports in Deutschland dar: Zum ersten Mal wird dieser Bereich explizit aufgeführt. Der DGSV begrüßt zwar diese Entwicklung, mahnt jedoch, dass echte Gleichstellung bislang ausbleibt – insbesondere fehlt eine klare gesetzliche Verankerung, wie sie für andere Behindertensportarten existiert, sowie eine gesicherte Finanzierung für Dolmetschdienste. Aktuelle Recherchen zeigen, dass sich auch abseits der Verbandsforderungen eine breite Debatte um Inklusion und Gerechtigkeit im Sport entwickelt: So reflektiert die Berichterstattung etwa auf sueddeutsche.de, wie Barrieren im Alltag von Menschen mit Behinderung weiterhin unterschätzt werden; zeit.de dokumentiert Stimmen von Betroffenen zu den Lücken in der neuen Sportförderung, und faz.net analysiert die politischen Grabenkämpfe rund um das Gesetz und die Rolle Deutschlands als Vorbild für Sport-Inklusion in Europa.

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