Im Kern stellt sich hier die Frage, wie tragfähig das Vertrauen zwischen Politik und Gesellschaft noch ist. Während Klöckner davor warnt, dass die Bevölkerung zu viel von der Politik erwartet und diese Erwartungshaltung umschwenken kann in Misstrauen, hält Wiese dagegen: Erwartungen seien nicht übertrieben, sondern ein berechtigtes Resultat gesellschaftlicher Unsicherheiten und realer Herausforderungen – gerade in Krisenzeiten, sei es durch steigende Lebenskosten, geopolitische Unsicherheiten oder wachsende soziale Ungleichheiten. Jüngste Stimmen von Politikwissenschaftlern und Sozialforschern – wie etwa auf Zeit Online oder in der Süddeutschen Zeitung – deuten darauf hin, dass langfristiges Vertrauen tatsächlich weniger an zu hohen Erwartungen, sondern vor allem an mangelnder Kommunikation, fehlender Transparenz oder realen politischen Versäumnissen scheitert. So mahnen Autoren wie Werner Krause und Ulrike Winkelmann, dass ein „ehrliches Benennen von Herausforderungen“ – auch wenn Lösungen nicht sofort vorliegen – das Vertrauen noch am ehesten bewahren kann. Ein anderer Aspekt, der ins Gewicht fällt: Das Bedürfnis nach stabilen Strukturen wächst, sobald die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen als bedrohlich erlebt werden – ein Aspekt, der in aktuellen Debatten um Wohnungsnot, Inflation und Sicherheit immer wieder mitschwingt.
heute 12:36 Uhr