Wer eine Werkstatt oder einen Betrieb managt, kennt das Wechselbad zwischen Ideal und Wirklichkeit: Da sind gut gemeinte Pläne, aber auf dem Papier bleiben sie selten. Hektik, ständiger Telefonterror und der Versuch, irgendwie alle Fäden beisammenzuhalten, bestimmen den Berufsalltag vieler Führungskräfte und Inhaber. Aufträge gibt es genug; aber oft fühlt sich das an, als würde man mehr jonglieren als tatsächlich gestalten. Der Chef? Meist Allrounder, Krisenmanager, Feuerwehrmann und Vieltelefonierer in Personalunion. Auf Außenstehende mag das noch laufen – drinnen brodelt es: Kopfzerbrechen, Müdigkeit, Grübeleien über Entscheidungen. "Leistung wird im Handwerk noch immer gern an der Sichtbarkeit von Arbeit gemessen; dabei läuft ohne mentale Fitness alles ins Leere", wirft Dima Welz ein. Wird das nicht adressiert, versandet nicht nur die Führung, auch Team, Umsatz und die Zukunft stecken fest.
Für Dima Welz beginnt der Turnaround im Kopf. "Die wichtigste Leistung entsteht in Gedanken, nicht an der Hobelbank", bringt er es auf den Punkt. Seine Erfahrung: Mentale Strukturen und gutes Management sind wie das Fundament eines Hauses – ohne sie stürzt alles früher oder später ein. Statt an den Symptomen herumzudoktern, geht Welz lieber an die Wurzel: Unternehmer müssen raus aus dem Dauerstress und zurück ins Gestalten, meint er. Was folgt, sind einige Schlaglichter und – ehrlich gesagt – auch manche Provokation aus seinem Berufsalltag.
Mentale Überlastung – in vielen Handwerksbetrieben Alltag. Es ist nicht nur der eine Tag, an dem alles schiefläuft, sondern ein schleichender Zustand. Wenn der Druck nie nachlässt, sinkt die Fähigkeit, klar zu sortieren, Weitsicht zu entwickeln, Prioritäten im Blick zu behalten. Entscheidungen werden zur Reaktion, nicht zur Strategie – mit all ihren Risiken. Qualitätsverluste und diffuse Abläufe sind die Folge. Je länger der Zustand andauert, desto undurchsichtiger werden die Prozesse, und verschiedene Verantwortungen cumulieren bei Einzelnen – meistens ganz oben.
Besonders tückisch: Die fehlende innere Klarheit spiegelt sich direkt nach außen. Alles wird ad hoc geregelt, Zuständigkeiten werden unklar, Aufgaben wandern ohne festen Plan von Mitarbeiter zu Mitarbeiter. Abstimmung ersetzt Struktur, Stillstand folgt Aktionismus. Das Handwerk entdeckt plötzlich, dass selbst das größte Engagement nicht reicht, solange der Kopf wie ein wilder Hühnerhaufen arbeitet.
Das führt häufig dazu, dass Führungskräfte noch mehr Verantwortung anhäufen – ein Teufelskreis. Sie übernehmen alles selbst, aus Angst vor Fehlern, Ungewissheit oder schlicht Kontrollbedürfnis. Das Team? Traut sich kaum, eigene Schritte zu gehen. Prozesse laufen nur so schnell und stabil, wie eine Person es schafft. Die Parallele zum Sport drängt sich auf: Wer ständig Vollgas gibt, brennt schlichtweg aus. Gleiches gilt für die Denk-Arbeit – ohne Pause, ohne Sortierung, ohne mentale Fitness bleibt selbst der Erfahrenste irgendwann auf der Strecke.
Aus dem Kreislauf ausbrechen? Nur mit einem echten Wandel: Weg von der kurzfristigen Flucht ins nächste Problem, hin zu stabiler Struktur und klarem Kopf. Mentale Leistungsfähigkeit ist kein "Soft Skill" – sie ist die harte Währung jeder Führungspersönlichkeit. Wenn der Kopf wieder klar ist, nehmen Prozesse an Fahrt auf, Führung funktioniert, und das ganze Unternehmen wird widerstandsfähiger. Der Inhaber wird wieder Steuermann, nicht Getriebener. Mit diesem Reset werden Freiräume möglich, Verantwortung kann geteilt werden, und Entwicklung gewinnt Kontur. Ein fitter Geist ist kein Zufallsprodukt, sondern die Grundlage für echten, nachhaltigen Erfolg im Handwerk – davon ist nicht nur Dima Welz überzeugt.
Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass die mentalen Anforderungen und Stressfaktoren im Handwerk viel zu wenig beachtet werden: Die permanente Überlastung auf Führungsebene hemmt Entscheidungen, beeinträchtigt Strukturen und führt dazu, dass Unternehmer selbst zum Engpass werden. Dima Welz plädiert dafür, mentale Stabilität und klare Strukturen bewusst zu kultivieren, damit nachhaltiges Wachstum und die Handlungsfähigkeit des Betriebs erhalten bleiben. Neue Untersuchungen, z. B. durch Handwerkskammern, bestätigen inzwischen, dass psychische Belastungen im Handwerk rasant zunehmen: Aktuelle Beiträge berichten, wie gerade kleine und mittelständische Betriebe unter Personalmangel, steigendem Druck und schlechten Möglichkeiten zur Entlastung leiden – mit Folgen bis hin zu Burnout und Fachkräfteabwanderung [Quelle: eigene Internetrecherche, vgl. taz und DW]. Angesichts von Digitalisierung, wachsender Bürokratie und immer größeren Kundenerwartungen warnen Brancheninsider davor, die mentale Komponente weiterhin zu unterschätzen; Programme zur Stressprävention und Führungskräftetraining werden daher bereits an einigen Stellen getestet, können aber nur greifen, wenn das Grundverständnis sich wandelt. Nicht nur im Führungskreis, sondern im gesamten Betrieb entsteht ein echter Wandel erst dann, wenn mentale Gesundheit als Teil von Performance begriffen und aktiv gefördert wird.