Man denkt ja oft, das sei reine Science-Fiction: ein Chemiewaffenangriff irgendwo im Land. Aber laut einer internen Risikoanalyse des Bundesinnenministeriums ist diese Gefahr alles andere als fern – und das Ergebnis, so berichtet die "Bild", macht ehrlich gesagt wenig Mut. Im Papier wird ein relativ konkretes Szenario durchgespielt: Ein Aggressor, der an der östlichen Grenze mobil macht. Drei Anschlagsorte mitten auf deutschem Boden. Die Zahlen, die daraus folgen, sind erschreckend; allein im Fall eines simulierten Angriffs auf einen der genannten Häfen rechnet man innerhalb der ersten 15 Stunden schon mit 8.500 Toten. Und das ist noch nicht alles: Rund 33.500 Verletzte, viele davon schwer – für die Kliniken käme das einem Totalausfall gleich. Schließlich gibt es bundesweit nur etwa 1.700 Intensivbetten und gerade mal 800 Überwachungsbetten, was bei so einem Szenario vorn und hinten nicht reicht. Da ist die Rede von Schutzkleidung – zu wenig vorhanden. Und Gegengifte wie Atropin? Davon gibt es nicht einmal annähernd genug. Zugegeben, ganz einleuchtend ist eine so massive Lücke in der Vorsorge für mich nicht – aber offenbar will oder kann niemand wirklich sagen, wie sie geschlossen werden könnte. Auch das mag an der schieren Komplexität liegen, aber ein bisschen fatalistisch wirkt es schon.
Die Kernbotschaft der neuen Risikoanalyse: Deutschlands Gesundheitssystem und Katastrophenmanagement kommen im Falle eines umfangreichen Chemiewaffenanschlags rasch an – oder sogar über – ihre Grenzen. Es fehlen nicht nur genügend Intensiv- und Überwachungsbetten, sondern auch Schutzkleidung und ausreichend Vorräte an Gegengiften wie Atropin. Bemerkenswert ist außerdem, dass laut aktuellen Medienberichten das Thema im politischen Alltag kaum Beachtung findet, obwohl die Gefahr angesichts der geopolitischen Lage als akut eingestuft wird. Ein Blick in diverse Leitmedien aus den letzten 48 Stunden zeigt, dass das Thema zwar in verschiedenen Kontexten – etwa in Zusammenhang mit Zivilschutz, Krankenhausstruktur und steigenden internationalen Spannungen – diskutiert wird, aber meist wenig konkret. Neuere Debatten fordern außerdem verstärkte Investitionen und einen eigenständigen Katastrophenschutz, der nicht nur auf Pandemien, sondern auch auf bislang "abstrakt" wirkende Gefahren wie ABC-Waffen vorbereitet ist.