Betrachtet man die Maßnahmen deutscher Firmen gegen Cybergefahren, Fehlinformationen oder Industriespionage, so sieht es auf den ersten Blick recht solide aus – die meisten haben sich hier, zumindest nach eigenen Angaben, schon einigermaßen gewappnet. Aber der Eindruck bröckelt sofort, wenn man genauer hinschaut: Lediglich eine winzige Minderheit von etwa drei Prozent ist für den Ausfall essenzieller Materialien gerüstet, noch weniger für großflächige Krankheitswellen oder Personalengpässe. Verträge, die Ressourcen im Notfall absichern, finden sich nur bei etwa jeder zwanzigsten Firma. Etwas mehr als ein Fünftel sieht sich für Infrastrukturprobleme vorbereitet – immerhin ein Anfang, trotzdem sehr überschaubar.
Sollte es tatsächlich hart auf hart kommen, gerieten viele Unternehmen in eine Schlüsselrolle. Ob Rüstungsfabriken, Softwareunternehmen oder Zulieferer: Sie müssten in kürzester Zeit Waffen, Fahrzeuge und andere Technik liefern – und gleichzeitig Beschäftigte für Bundeswehraufgaben abstellen. Hinzu kommt: Auch ganz normale Firmen wären gefragt, zum Beispiel Teile ihrer Belegschaft für Sanitäts- oder Logistikdienste freizustellen, wackelige Ketten abzusichern und ihre Systeme vor Hackerattacken zu schützen. Die eigentliche Herausforderung wäre jedoch: die Versorgung der Bevölkerung möglichst stabil zu halten. Denn ein spürbarer Wirtschaftseinbruch könnte die deutsche Bereitschaft, sich an der NATO-Ostflanke zu engagieren, drastisch verringern – und das wäre vielleicht das eigentliche Risiko.
Die IW-Studie bringt zum Vorschein, dass viele deutsche Unternehmen im Verteidigungs- oder Krisenmodus Schwierigkeiten hätten, zentrale Aufgaben zu erfüllen. Es fehlt oft an Lösungen für Material- oder Personalausfälle, nur wenige verfügen über Vorhalteverträge für Notlagen. Trotz einzelner Schutzmaßnahmen gegen digitale Angriffe ist die Gesamtstrategie vielerorts lückenhaft – was angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und einer erhöhten Bedrohungslage durch Russland bedenklich stimmt. Wie Medien wie die 'Süddeutsche Zeitung' und 'Spiegel Online' berichten, geben Experten zu bedenken, dass die Versorgungssicherheit und die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Prozesse für die Durchhaltefähigkeit einer Gesellschaft ebenso wichtig sind wie militärische Stärke. In der aktuellen Berichterstattung weisen verschiedene Quellen darauf hin, dass viele Unternehmen besonders beim Notfallmanagement Nachholbedarf haben und die Integration ziviler Strukturen in die Verteidigungsplanung unzureichend ist.