Deutschlands Handelsbilanz mit China auf historischem Tief

Die Kluft zwischen deutschen Importen und Exporten im Handel mit China erreicht einen neuen Höchststand – eine Entwicklung, die viele Ökonomen überrascht, aber auch Anlass zur Sorge bietet.

10.01.26 10:13 Uhr | 11 mal gelesen

Kaum zu übersehen: Deutschlands Handel mit China kippt. Die Zahlen, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) für die 'Welt am Sonntag' erhoben hat, sprechen eine deutliche Sprache. Im Zeitraum Januar bis Ende September 2025 liegt das deutsche Handelsdefizit mit der Volksrepublik bei stolzen 63,1 Milliarden Euro – exakt soviel wie im bisherigen Rekordjahr 2022, damals noch durch einen einmaligen Anstieg der Einfuhren begünstigt. Doch diesmal fällt der Einbruch der Exporte besonders ins Gewicht: Gerade einmal 61,4 Milliarden Euro exportierte Deutschland nach China: so wenig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Gleichzeitig kletterten die Importe mit rund 124,5 Milliarden Euro auf einen neuen Höhepunkt. Und ehrlich gesagt, Optimismus sucht man derzeit vergebens. IW-Wissenschaftler Jürgen Matthes rechnet im laufenden Quartal mit keiner Trendwende. Im Gegenteil: Er hält es für unwahrscheinlich, dass die Ausfuhrzahlen in absehbarer Zeit wieder anziehen. Seine Forderung klingt wie ein Warnschuss: Die EU müsse sich viel entschiedener gegen chinesische Wettbewerbsverzerrungen wehren und heimische Hersteller in Schutz nehmen – ansonsten drohen nicht nur Strukturprobleme, sondern vielleicht auch ein tieferer Bruch mit dem wichtigsten Handelspartner Asiens.

Deutschland steckt in einem gravierenden Handelsdefizit mit China, wie neue Zahlen für 2025 zeigen: Die Exporte nach China schrumpfen auf den niedrigsten Stand seit Jahren, während die Importe weiter zulegen. Ursachen dafür sind neben der Schwäche der deutschen Wirtschaft auch die gezielte Industriepolitik der Volksrepublik und strukturelle Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit: Chinas Unternehmen profitieren von massiven staatlichen Subventionen und bevorzugtem Zugang zu Rohstoffen. Laut aktuellen Analysen (siehe auch taz, FAZ, DW) warnen Fachleute verstärkt vor den Folgen, etwa den Druck auf deutsche Schlüsselindustrien und der wachsenden Abhängigkeit bei kritischen Vorprodukten. Im gleichen Zuge verstärken Bundesregierung und EU-Kommission ihre Überlegungen, mit Subventionen und Schutzmaßnahmen auf die Herausforderungen zu reagieren, wie unter anderem die geplanten EU-Instrumente gegen unlauteren Wettbewerb zeigen.

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