Digitale Barrieren: Die neue EU-App zur Altersprüfung

Mit einer ganz frischen App will die EU schützen, was verletztlich ist – nämlich Kinder im Netz. Ob das gelingt, steht noch in den Sternen.

heute 11:59 Uhr | 8 mal gelesen

Manchmal fühlt es sich so an, als rolle über Europa eine Welle der digitalen Schutzmechanismen – und mittendrin: Ursula von der Leyen mit einer neuen App. Die EU-Chefin stellte am Mittwoch in Brüssel eine Altersverifikations-App vor, die Kindern im Internet ein wenig mehr Sicherheit verschaffen soll. Das Grundprinzip? Nutzer beweisen ihr Alter genauso unkompliziert wie an der Supermarktkasse beim Alkoholkauf. Die Software, so betont von der Leyen, sei bedienfreundlich, respektiere den Datenschutz aufs Schärfste und lebe Offenheit durch quelloffene Programmierung. Interessanterweise bleibt bislang unklar, wann und wo diese App tatsächlich zum Pflichtprogramm für Online-Plattformen wird. Die Kommissionspräsidentin versäumte es allerdings nicht, mit Nachdruck auf die Verantwortung der Tech-Giganten hinzuweisen. "Wir halten jene Plattformen an die Kandare, die bei Kinderschutz nachlässig sind", so ihr etwas scharfer Ton. Ihre Kernthese: Kinder müssen auch im Internet so umsorgt werden wie draußen beim Spielen. Hinter dem Ganzen steckt eine Mischung aus elterlicher Sorge und politischem Innovationsdrang. Der App-Rollout ist dabei nicht irgendein Einzelstück, sondern fügt sich ein in eine Serie digitaler Schutzexperimente – man denke an die Corona-Warn-App, die, zumindest aus Brüsseler Warte, als Musterbeispiel für eilig entwickelte und veröffentlichte Software gilt. Wieder gilt: maximale Privacy, Daten bei den Usern. Und wie schon damals, sollen auch diesmal alle EU-Staaten und bestenfalls internationale Partner aufspringen, wenn es darum geht, Minderjährige vor fragwürdigen Inhalten zu bewahren. Ein eigens zusammengesetztes Expertengremium tüftelt derzeit schon an weiteren Vorschlägen für Kindersicherheit im Netz – die Früchte dieser Runde werden vor dem Sommer erwartet.

Die Europäische Kommission hat eine quelloffene App zur Altersverifikation vorgestellt, die vor allem Kinder im Internet schützen soll. Offene Fragen bleiben, etwa zur Pflichtanwendung der App und zur genauen Umsetzung für Plattformanbieter. Seit einigen Tagen laufen Konsultationen eines Expertengremiums, das zeitnah Empfehlungen für digitale Kindersicherheit veröffentlichen will. Ergänzend dazu: Nach aktuellen Medienberichten zeigen sich sowohl Datenschützer als auch zahlreiche Eltern und NGOs abwartend – man befürwortet zwar die Ziele, sorgt sich aber um mögliche Überwachungsmechanismen und technische Schlupflöcher. Es wurde außerdem berichtet, dass große Plattformen wie Meta und TikTok bereits über Test-Integrationen nachdenken, jedoch konkrete Zeitpläne und Bedingungen bislang fehlen. Internationale Partner wie Kanada und Australien diskutieren laut neuen Berichten ähnliche Modelle, beobachten die EU-Pilot-App jedoch zunächst „mit angezogener Handbremse“.

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