„Sentimental Value“ (Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich, Deutschland 2025) befindet sich mit beachtlichen acht Nominierungen – darunter Bestes Drehbuch, Beste Regie, und Bester Internationaler Film – im Rennen. Die Handlung dreht sich um Nora, die gemeinsam mit ihrer Schwester versucht, das Elternhaus nach dem Tod der Mutter aufzulösen. Plötzlich taucht ihr Vater Gustav wieder auf, ein Regisseur, der einst große Filme drehte, mittlerweile aber in der Versenkung verschwunden ist. Mit der Idee, Nora in seinem neuen, autobiografischen Streifen zu besetzen, prescht er vor – doch Tochter und Vater krachen emotional aneinander. In den Hauptrollen glänzen Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas, Regie führt Joachim Trier. Produziert wurde mit Partnern aus mehreren Ländern und federführend unter Beteiligung von ARTE und ZDF.
Im ebenfalls für den „Besten Internationalen Film“ nominierten „Sir?t“ (Spanien, Deutschland, Marokko, Frankreich 2025) verschlägt es den Protagonisten Luis in ein pyschedelisches, teils chaotisches Roadmovie-Abenteuer. Mit seinem Sohn sucht er auf technolastigen Rave-Festivals in Marokko nach seiner verschwundenen Tochter. Ihre Odyssee führt über Schleichwege durchs Atlasgebirge gegen Polizei, Abschiebung und die Ungewissheit. Hauptdarsteller sind unter anderem Sergi Lopez und Bruno Núnez, Regisseur ist Óliver Laxe.
Einen ganz anderen Ton schlägt „Ein Nobody gegen Putin“ an. Die Dokumentation folgt dem russischen Lehrer Pawel Talankin, der von patriotischer Bildungsarbeit zunehmend zur Verzweiflung getrieben wird. Der Alltag zwischen staatlicher Propaganda, eigenen Zweifeln und realen Konsequenzen in einem kriegsführenden Land wird pointiert und bitter-humorig gezeigt. Dieem Filmteam (DR, BBC, ZDF/ARTE) gelingt ein intimer Blick auf persönliche und gesellschaftliche Abgründe im heutigen Russland.
Drei ZDF/ARTE-Koproduktionen sind bei den 98. Academy Awards im Rennen: Während „Sentimental Value“ (Regie: Joachim Trier) und „Sir?t“ (Óliver Laxe) im Bereich Bester Internationaler Film antreten, geht die russisch-dänisch-deutsche Koproduktion „Ein Nobody gegen Putin“ (David Borenstein, Pawel Talankin) für den Besten Dokumentarfilm ins Rennen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt „Sentimental Value“ durch gleich acht Oscar-Nominierungen, was die internationale Anerkennung für europäische Koproduktionen hervorhebt. Die Produktionen zeigen ein breites thematisches Spektrum, von familiären Konflikten bis zu politisch-dokumentarischer Brisanz, und spiegeln die wachsende Bedeutung von öffentlich-rechtlichen Sendern wie ZDF/ARTE für den globalen Filmwettbewerb wider.
Durch aktuelle Berichte der FAZ, der Süddeutschen und von Spiegel Online wird deutlich, dass die Vorauswahl zu den Oscars zunehmend politisiert ist; insbesondere Produktionen mit gesellschaftlichem oder politischem Konfliktpotenzial werden stärker beachtet (Quelle: FAZ). Zugleich unterstreichen mehrere Leitartikel, dass europäische Filme gerade bei den International- und Dokumentar-Kategorien immer häufiger Nominierungen und Preise einfahren (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Bemerkenswert ist laut der Zeit, dass viele Filme bewusst das Spannungsfeld zwischen privater und politischer Ebene suchen und so ihre Relevanz unterstreichen (Quelle: Die Zeit).