DRK prangert drastische Einschnitte bei humanitärer Unterstützung an

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) übt scharfe Kritik an den jüngsten Sparmaßnahmen der Bundesregierung im Bereich der internationalen Nothilfe.

heute 13:26 Uhr | 4 mal gelesen

„Ehrlich, ich bin sprachlos – das ist nicht nur kurz gedacht, sondern für mein Verständnis auch grundlegend falsch und widerspricht dem, was im Koalitionsvertrag festgelegt war“, bringt Hermann Gröhe, Präsident des DRK, seinen Unmut im Gespräch mit dem 'Tagesspiegel' zum Ausdruck. Während dort noch von einer Stärkung humanitärer Hilfe die Rede war, wurde das Budget entgegen der ursprünglichen Abmachungen halbiert: 2024 stehen statt rund zwei Milliarden Euro lediglich etwa eine Milliarde zur Verfügung. Gröhe weist darauf hin, dass die Dauerkrisen und Katastrophen weltweit bei vielen Menschen in Deutschland zu einer Art Abstumpfung führen, was ihn persönlich traurig und nachdenklich stimmt. „Ich höre öfter Sätze wie: ‘Warum kümmert ihr euch um Krisengebiete in Afrika? Helft doch erstmal hier bei uns vor Ort‘. Dabei betreibt das DRK ja eine enorme Bandbreite an Diensten von Kindergärten bis Seniorenpflege – hauptsächlich in Deutschland, Tag für Tag.“ Doch für Gröhe steht fest, dass Deutschland angesichts von über 300 Millionen Notleidenden, davon häufig Kinder, die auf direkte Hilfe angewiesen sind, eine besondere Verantwortung trägt. „Niemand verlangt, dass wir alle Probleme der Welt lösen. Aber unsere eigenen Grundwerte schreiben uns ins Stammbuch, dass wir einen Beitrag leisten sollten, der wenigstens in etwa unserer Wirtschaftsstärke entspricht“, so Gröhe. Das klingt im Prinzip selbstverständlich – ist es aber offenbar nicht immer.

Das Deutsche Rote Kreuz kritisiert die jüngst von der Bundesregierung vorgenommenen Kürzungen im Etat für humanitäre Hilfe als widersinnig und kontraproduktiv – sie stehen im Widerspruch zu den im Koalitionsvertrag versprochenen Verbesserungen. Präsident Hermann Gröhe warnt, dass solche Einsparungen nicht nur internationalen Verpflichtungen zuwiderlaufen, sondern auch das Bild Deutschlands als verlässlichen Partner massiv beschädigen können. Die gesellschaftliche Stimmung hierzulande schwankt zwischen Mitgefühl und Rückzug ins Nationale, während weltweit laut UN bereits akut mehr als 300 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen. Durch die Budgetkürzung droht die Versorgungslücke in Krisengebieten noch weiter zu wachsen, was im Zusammenhang mit aktuellen Katastrophen und anhaltenden Konflikten – etwa im Sudan oder in der Ukraine – zusätzlich problematisch ist. In anderen aktuellen Medienberichten wird auf die wachsenden globalen Herausforderungen, etwa durch die Klimakrise, hingewiesen: Sie verstärken die Nachfrage nach Nothilfe, während gleichzeitig das internationale Engagement (auch aus Deutschland) schwindet.

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