Equal Pay Day: Lohnlücke weiterhin eklatant – SoVD fordert entschlossene Maßnahmen

Berlin – Während anderswo Fortschritte suggeriert werden, stagniert in Deutschland die Kluft zwischen Frauen- und Männergehältern – und das schon viel zu lange. Nach aktuellen Zahlen verdienen Frauen immer noch rund 16 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Symbolisch ergibt sich daraus, dass Frauen bis zum 27. Februar quasi gratis arbeiten – eine Tatsache, die einmal mehr durch bundesweite Aktionen des SoVD ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden soll. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt das morgendliche Event am Berliner Hauptbahnhof, wo engagierte Stimmen aus Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft – darunter Michaela Engelmeier (SoVD-Vorstand), Elke Hannack (DGB) und Ferda Ataman (Antidiskriminierungsstelle) – vereint auftraten.

heute 13:45 Uhr | 5 mal gelesen

Es ist schon fast ironisch: Während die öffentliche Debatte lauter wird und sich die Gesellschaft gern modern und fortschrittlich gibt, verharrt Deutschland in Sachen geschlechtergerechter Bezahlung überraschend unbeweglich. Michaela Engelmeier, die dem SoVD vorsteht, mahnt provokant an, dass endlich die Vorhänge in den Unternehmen gelüftet werden müssten. "Ohne wirklich greifbare Entgelttransparenz bleibt Diskriminierung oft unsichtbar – dabei gibt es längst europäische Vorgaben, die nur umgesetzt werden müssten," sagt sie. Sie ist nicht allein mit dieser Einschätzung. Jutta König, Bundesfrauensprecherin des SoVD, bringt einen weiteren Punkt ins Spiel: Solange Frauen überproportional viel unbezahlte Sorgearbeit auf sich nehmen und in Folge karrieretechnisch hintenanstellen, verpufft jeder Gleichstellungs-Appell wie warmer Sommerwind. Was fehlt? Politischer Wille für echte Chancengleichheit. Auch Elke Hannack vom DGB lässt keinen Zweifel daran: Teilzeitmodelle und gering bezahlte Berufe – von Frauen dominiert – sind zentrale Ursachen der Lücke. Dabei ist diese sogenannte Care-Arbeit schlicht unverzichtbar für unser aller Alltag. Durchwachsene Lösungen reichen nicht mehr. "Wir brauchen eine schonungslose Debatte darüber, wie wir Erwerbs- und Familienarbeit fairer zwischen den Geschlechtern aufteilen", fordert Hannack. Es bleibt unbequem, aber notwendig, das Thema immer wieder hochzuhalten – so lange, bis sich endlich etwas bewegt.

Der Equal Pay Day verdeutlicht die nach wie vor gravierende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Trotz größerer Aufmerksamkeit und der Existenz europäischer Richtlinien stagniert der Fortschritt – statt realen Veränderungen bleibt es oft bei Appellen. Aktionen wie die des SoVD machen die Problematik sichtbar, aber ein konsequenter politischer Willen und strukturelle Reformen fehlen bislang weitgehend. Laut einer aktuellen Analyse der Süddeutschen Zeitung stagniert die Lohnlücke vor allem, weil insbesondere Mütter oft wegen fehlender Betreuungseinrichtungen Teilzeit arbeiten und dadurch langfristig ihre Rentenansprüche verlieren. Die Debatte erhält durch die von der EU geforderte Entgelttransparenz zwar neuen Rückenwind, doch Deutschland hinkt der Umsetzung hinterher. Fachleute fordern inzwischen nicht mehr nur Transparenz oder Quotenregelungen, sondern grundlegende Korrekturen beispielsweise bei Steuerklassen und der Bewertung der sogenannten Sorgearbeit.

Schlagwort aus diesem Artikel