Judith Hermanns Zeitreise-Roman führt SWR Bestenliste im März 2026 an

Baden-Baden – Die SWR Bestenliste empfiehlt im März zehn lesenswerte Neuerscheinungen. An der Spitze steht erneut Judith Hermann mit ihrem außergewöhnlich persönlichen Roman.

heute 13:44 Uhr | 4 mal gelesen

Beim Blick auf die SWR Bestenliste im März begegnet einem ganz oben ein Buch, das sich nicht so einfach wieder abschütteln lässt: 'Ich möchte zurückgehen in der Zeit' von Judith Hermann. Die Autorin taucht ab in die Iris ihrer Familiengeschichte – ganz besonders in die Schattenseiten, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Da ist dieser Großvater, einst in der polnischen Stadt Radom stationiert, dort für die SS. Hermann sucht nicht bloß nach Fakten, sondern nach Lücken im Gedächtnis, nach all dem, was sich in Erinnerungen windet oder unter Schmerzen verschweigt. Während sie ihrer Familien-Linie auf den Grund geht, zieht es sie weiter nach Neapel, zu einer Schwester, zu neuen Fragen. Der Roman strahlt diese Mischung aus Zerbrechlichkeit und poetischer Schönheit aus, die das Leben so schwer zu begreifen macht – oft fühlt es sich an, wie auf einer Fahrt im Zug rückwärts: Man sieht die Landschaft verschwinden, aber nicht kommen. Auf Platz zwei übrigens: „Im Paradies“ von Dorota Maslowska, gefolgt von Safae el Khannoussi mit „Oroppa“. Die SWR Bestenliste, die längst sowas wie eine literarische Institution geworden ist, wird übrigens nicht von Verkaufszahlen, sondern einer wilden, diskussionsfreudigen Jury bestimmt. Monat für Monat entstehen daraus Empfehlungen, streitbar, subjektiv und überraschend – manchmal muss man auch schlucken.

Judith Hermanns Roman ergründet auf berührende Weise das schwierige Wechselspiel von Erinnern und Verdrängen am Beispiel ihrer eigenen Familienvergangenheit. SWR hebt besonders den unverstellten, poetischen Stil der Autorin hervor, der Vergangenes mit Gegenwärtigem verbindet und sowohl Schmerzpunkte als auch zarte Hoffnung offenbart. Hermanns Buch trifft in einer Zeit, in der Erinnerungskultur und persönliche Geschichtsbewältigung verstärkt debattiert werden, einen Nerv und regt damit sowohl gesellschaftliche als auch persönliche Auseinandersetzungen an. Recherchierte Ergänzungen: Die aktuellen Diskussionen rund um Hermanns Roman drehen sich auch um die Frage, wie Literatur Generationen übergreifende Traumata erfassen und erzählen kann. Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet das Werk im Kontext der wachsenden Literatur über familiäre Verstrickung in den Nationalsozialismus und hebt hervor, dass der Roman einen neuen, oft weiblichen Blick auf das Erinnern sucht. Zeit Online verweist auf die jüngsten Buchpreisnominierungen und stellt fest, dass Hermanns Stoff zeitlos bleibt, weil jede Generation neue Wege des Redens über das Ungesagte finden muss.

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