EU befürchtet neue Migrationswelle wegen Iran-Krieg

Angesichts des eskalierenden Konflikts im Iran rechnet die EU-Kommission erstmals wieder sichtbar mit größeren Flüchtlingsströmen.

heute 19:00 Uhr | 3 mal gelesen

Vertrauliche Dokumente, die unter anderem dem 'Spiegel' und Report Mainz vorliegen, zeichnen ein beunruhigendes Bild: Europäische Diplomaten in Brüssel tauschten sich am Mittwoch über die Entwicklungen im Iran und deren mögliche Folgen aus. Noch gibt es keine handfesten Zahlen, aber erste Anzeichen – etwa, dass Menschen aus akuten Bedrohungsgebieten verstärkt Richtung Küsten und aufs Land ziehen – sind bereits offenbar geworden. Sollte der Konflikt weiter eskalieren, befürchtet man eine Fluchtbewegung, die der von 2015 gleicht und eine humanitäre Katastrophe in Iran sowie den Nachbarstaaten auslösen könnte. Die Türkei, traditionell eines der wichtigsten Ankunftsländer – gerade für Flüchtende aus dem Iran – zeigt sich laut internen Protokollen besonders alarmiert. Nach Angaben ihres Innenministers wird über Grenzbarrieren, Pufferzonen und eine Zeltstadt für bis zu 90.000 Menschen nachgedacht. Ein besonderes Augenmerk gilt der Lage der etwa 2,5 Millionen afghanischen Geflüchteten, die derzeit im Iran leben. Sollte das Land weiter ins Chaos rutschen, könnte deren Exodus die Nachbarregion erneut in Schwierigkeiten stürzen – das ist die nüchterne Warnung, die zwischen den Zeilen europäischer Behörden zu lesen ist.

Die drohende neue Migrationswelle infolge des Iran-Kriegs sorgt in der EU für spürbare Nervosität. Laut aktuellen Medienberichten gibt es in der diplomatischen Kommunikation der EU-Kommission keine konkreten Angaben zu Flüchtlingszahlen, dafür aber sehr konkrete Warnungen bezüglich steigender Bewegungen innerhalb der Krisenregion. Besonders im Fokus stehen dabei die Schutzlosigkeit iranischer Bürger*innen sowie die Situation der zahlreichen in Iran lebenden afghanischen Geflüchteten, deren Lebensumstände sich rapide verschlechtern könnten. – Seit Anfang 2024 spitzen sich die Gefechte zwischen Iran, oppositionellen Gruppen sowie möglichen internationalen Akteuren regional zu, wie die BBC meldete. Zahlen des UNHCR belegen, dass das Land seit Jahren eine der größten afghanischen Diaspora außerhalb Afghanistans beherbergt. Die türkische Regierung hat erste praktische Vorbereitungen angekündigt, darunter Pufferzonen und temporäre Unterkünfte für Geflüchtete entlang der Grenze, um die befürchteten Migrationsströme notfalls abzufangen. Parallel fordern NGOs und Menschenrechtler bereits, Präventions- und Hilfsmaßnahmen grenzübergreifend zu koordinieren. Deutschlands Innenministerium sieht laut aktuellen Meldungen eine neue Herausforderung für das gesamte europäische Asylsystem und warnt vor wiederholten politischen Debatten wie sie nach 2015 europaweit zu beobachten waren.

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