EU eröffnet Verfahren gegen Shein: Verdacht auf zweifelhafte Praktiken im Onlinehandel

Die Europäische Kommission hat offiziell Ermittlungen gegen den Modegiganten Shein aufgenommen – im Fokus stehen undurchsichtige Empfehlungsmechanismen, potentiell illegale Produkte und süchtig machende Strukturen der Nutzeroberfläche.

heute 12:33 Uhr | 5 mal gelesen

Die Nachricht kam etwas spröder daher als sonst, trotzdem ließ sie aufhorchen: Die Brüsseler EU-Kommission prüft in einem Verfahren nach dem Gesetz über digitale Dienste (DSA), ob Shein in Europa wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Konkret stehen gleich mehrere Vorwürfe im Raum: Sorgt das Interface etwa bewusst für Suchtverhalten, weil ständig neue „Belohnungen“ und Rabatte locken? Und wie sauber hält der Mode-Riese eigentlich sein Prüfsystem für verbotene Waren – mindestens bei Darstellungen sexueller Gewalt gegen Kinder wird’s absolut ernst. Auch soll die Transparenz der KI-gestützten Empfehlungen auf dem Prüfstand stehen: Kann der Kunde nachvollziehen, wieso ihm bestimmte Produkte angezeigt werden? Shein ist jetzt verpflichtet, offenzulegen, was im Hintergrund der Vorschlags-Algorithmen geschieht, und muss eine neutrale, nicht personalisierte Option anbieten. EU-Vizekommissarin Henna Virkkunen betonte teils nüchtern, teils mit Nachdruck: Auf europäischen Plattformen haben illegale Inhalte einfach nichts verloren – egal, ob digital oder physisch.

Im Sachverhalt rund um die EU-Untersuchung gegen Shein schwingt Unmut und Misstrauen gegenüber der schieren Marktmacht des Unternehmens mit – zumal es schon häufiger in der Kritik stand, etwa wegen Umweltbelastung und ausbeuterischer Arbeitsbedingungen. Besonders brisant ist, wie die Plattform mit illegalen Inhalten sowie möglichen Suchtmechanismen umgeht. Neuere Stimmen aus Politik und Verbraucherschutz begrüßen das Verfahren, sie sehen es als Präzedenzfall für die konsequente Durchsetzung des DSA. Die EU prüft damit nicht nur Shein, sondern setzt auch ein Signal an andere Online-Marktplätze: Nutzerrechte, Transparenz und die Bekämpfung illegaler Inhalte sind keine leeren Versprechen. Maßnahmen wie verpflichtende Offenlegung von Empfehlungsalgorithmen und klar erkennbare, nicht personalisierte Suchoptionen könnten wegweisend für digitale Märkte in ganz Europa sein.

Schlagwort aus diesem Artikel