EU lockert strikte Dienstwagen-Regeln für Autos aus Asien und UK

Brüssel öffnet die bislang exklusiven Regeln für europäische Firmenwagen auch für britische, japanische und südkoreanische Fahrzeuge – ein Schritt mit Signalwirkung.

heute 13:59 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal liegt die Lösung noch am Verhandlungstisch, während die Produktion schon auf der Kippe steht – wie im Fall des Nissan-Werks in Sunderland. Ursprünglich wollten die EU-Macher staatliche Förderungen und steuerliche Vorteile auf Autos beschränken, die tatsächlich in der EU gefertigt werden. Für Dienstwagenflotten etwa. Prompt schlug die Tür nach außen zu: Großbritannien, Japan, Südkorea? Vorher ausgeschlossen. Besonders für Nissan wäre das eine Katastrophe gewesen: Knapp 45 Prozent der Autos, die im britischen Werk vom Band rollen, landen auf dem EU-Markt. Ohne Zugang zum Steuergeld zieht schnell ein Doomsday-Gefühl in die Werkskantine ein. Nun, vielleicht nicht ganz so düster – aber die Sorge war real. Denn aus Sicht der Brüsseler sollte der sogenannte "Industrial Accelerator Act" eigentlich Importe ohne Gegenwert bei der europäischen Wertschöpfung verhindern. Nun aber scheint es, als hätten sowohl London als auch Tokio und Seoul EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erfolgreich bearbeitet. Die Regel: "Trusted Partners" dürfen doch mitspielen und ihre Fahrzeuge werden, zumindest bei privaten und öffentlichen Unternehmensflotten, wie EU-Produkte behandelt. Ein kleiner Schritt für die Regularien, aber vermutlich ein ziemlich großer für das Überleben einiger Standorte.

Nach langem Hin und Her hat sich die EU zu einer Öffnung ihrer Förderungspolitik für Autos aus Großbritannien, Japan und Südkorea durchgerungen, insbesondere um Lieferketten zu sichern und politische Konflikte zu vermeiden. Bisher galten strenge "Buy European"-Regeln, die Steuervorteile und Vorteile bei Staatsausschreibungen nur für Fahrzeuge gewährten, die wirklich in der EU gebaut wurden. Durch den neuen Status als 'Trusted Partner' können Unternehmen aus den drei Ländern teilnehmen, was vor allem wegen massiver Lobbyarbeit von Nissan und politischer Diplomatie auf höchster Ebene ermöglicht wurde. Sinn der Neuregelung ist übrigens nicht nur Nostalgie für die alten Supply-Chain-Tage, sondern schlicht knallharte Industriepolitik – Stichwort Standortwettbewerb. Nissan hatte offen mit Werksschließung gedroht, sollte der Status Quo bleiben. Hintergrund war auch der Druck, die weiterhin eng verflochtenen Liefer- und Produktionsketten zwischen den Regionen nicht zu zerreißen. Neue Entwicklungen: Laut Recherchen aus verschiedenen Medien diskutiert die EU aktuell zudem über Bedingungen, die den Partnerschaftsstatus ständig an Reformen und Nachhaltigkeitsziele knüpfen könnten. (Weitere Ergänzung durch Recherche:) Nach aktuellen Berichten steht die Entscheidung der EU politisch unter enormem Druck, da die Automobilbranche in Europa gerade mit massiver Konkurrenz, u.a. aus China, ringt. Die süddeutsche.de berichtet, dass Hersteller unter anderem bei Batterielieferungen und Technologie auf enge Zusammenarbeit mit asiatischen Partnern angewiesen sind – die neue Regelung solle verhindern, dass die europäische Industrie ins Hintertreffen gerät. Deutsche und französische Hersteller hatten demnach signalisiert, dass nur eine offene Lösung wirtschaftlich sinnvoll bleibe.

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