Fertigstellung des Bundesrat-Anbaus auf 2029 verschoben

Der Neubau des Bundesrats samt Besucherzentrum in Berlin verzögert sich erneut – Ursache sind unter anderem Problemchen bei Vergaben und die aufwendige Gebäude-Fassade.

heute 13:02 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal kommt es eben anders – und länger, zumindest beim Bundesrat-Anbau in Berlin. Eigentlich, so war es Mal geplant, hätten sich Berliner und Gäste schon 2024 im neuen Besucherzentrum tummeln können. Jetzt wurde die Übergabe erst für das erste Quartal 2029 in Aussicht gestellt. Die Gründe? Da gibt es mehrere, aber besonders die Sache mit der Wärmeversorgung sticht heraus: Das Vergabeverfahren wurde gestoppt, da keiner der Anbieter genügend Nachweise vorlegen konnte. Das ist fast schon ein politisches Symbol, könnte man zynisch meinen. Eine weitere Stolperfalle ist die berüchtigte Metall-Glas-Fassade. Was auf dem Bauplan vielleicht noch elegant aussieht, braucht in der Realität Spezialanfertigungen, zahllose Abstimmungen und jede Menge Sicherheitsmaßnahmen. Das zieht sich dann eben wie Zement in Novemberkälte. Immerhin hat man improvisiert und die Fensteröffnungen erstmal provisorisch dicht gemacht, damit es drinnen wenigstens weitergehen kann. Aber ehrlich gesagt: Wer öfters in oder um Berlin baut, der weiß – Überraschungen sind Standard. Knapp 223 Millionen Euro verschlingt das Projekt mittlerweile. Und da bleibt nicht mal mehr Luft für große Fensteröffnungen...

Die Verschiebung des Bundesrat-Anbaus illustriert exemplarisch die Herausforderungen öffentlicher Großbaustellen in Deutschland. Neben komplexen technischen Anforderungen – etwa der speziellen Fassade und strengen Sicherheitsvorgaben – führen bürokratische Hindernisse und Lieferschwierigkeiten zu immensen Verzögerungen. Laut aktuellen Medienrecherchen ist das Bauvorhaben mit seinen bisher zehn Jahren Bauzeit und explodierenden Kosten kein Einzelfall; zahlreiche staatliche Bauprojekte, gerade mit innovativen oder nachhaltigen Baukonzepten, kämpfen derzeit mit ähnlichen Problemen (ausführliche Hintergründe unter anderem bei taz, FAZ, Spiegel und Zeit). Konkret dokumentieren neue Quellen, dass in den letzten Tagen etwa die Herausforderungen für Bauunternehmen durch Lieferengpässe und das Fehlen qualifizierter Fachkräfte bundesweit diskutiert werden. Zudem werden die Auswirkungen von Lieferketten-Störungen und teureren Baustoffen, auch durch geopolitische Unsicherheiten, immer wieder betont. Inzwischen ist auch das Besucherzentrum des Bundestags mit Verzögerungen betroffen, was die Frage erlaubt: Ist der Berliner Baustellenfrust längst Teil der deutschen Institutionenkultur geworden?

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