Manchmal reicht schon eine kleine Zahl, um aufhorchen zu lassen: Erstmals seit etwa zehn Jahren hat die positive Entwicklung beim Frauenanteil in den Vorständen der DAX- und MDAX-Unternehmen einen Dämpfer bekommen. Zugegeben, wir reden hier nicht von einem Einbruch, sondern eher von einem leichten Rücksetzer – aber im aufgeheizten Diskurs um Gleichberechtigung wiegt auch das schon schwer. Der Gedankenreflex: War es das jetzt mit dem Vorwärtsdrang? Oder ist das nur ein kleiner Schluckauf?
Die internationale Perspektive: Nicht alleine auf der Ebene des Stillstands
Ein Blick ins Ausland macht die Situation noch pikanter: Laut Analyse hat nicht nur Deutschland einen leichten Rückgang zu verzeichnen – auch Schweden steht in der aktuellen Vergleichsgruppe plötzlich mit auf der Liste der Verlierer. Lange Zeit bewegten sich die beiden Indizes hierzulande gemächlich nach vorn, nun fällt Deutschland im internationalen Ranking zurück.
Parität in wenigen Unternehmen, Männerrunden bleiben nicht die Ausnahme
Ein Lichtblick: Einige DAX- und MDAX-Unternehmen schaffen es inzwischen, ihre Vorstände paritätisch, also 50:50, zu besetzen – das klingt nach Fortschritt. Gleichzeitig bleibt die Schieflage offensichtlich: Zwei DAX-Konzerne halten weiterhin an reinen Männerteams fest, im MDAX sind es sogar sechzehn. Der Kontrast zwischen Aushängeschildern der Gleichstellung und stur-männlichen Vorstandsrunden ist also nicht kleiner geworden – eine seltsame Parallelität, die ins Auge fällt.
Fehlende Verantwortung – Frauen in weniger einflussreichen Ressorts
Auffällig ist zudem, dass es kaum weibliche Neueinsteigerinnen in die umsatz- und ergebnisverantwortlichen Posten gibt. Die Mehrzahl übernimmt weiterhin das Personalressort, wenige das Finanzressort. Die eigentlichen Schlüsselfunktionen – vom CEO bis zu Supply-Chain-Chefs – bleiben fest in Männerhand. Das hat Folgen: Berufliche Erfahrung in diesen Positionen ist oft die Eintrittskarte für die Chefetage. Solange Frauen außen vorgelassen werden, bleibt der Sprung zur Topspitze für sie unverändert schwierig.
Kurzlebiger Aufstieg – Frauen steigen schneller auf, aber auch schneller aus
Was vielleicht weniger auf dem Radar ist: Frauen verlassen ihre Vorstandsämter wie gehabt im Schnitt früher als Männer. Die Lücke hat sich zwar verringert (knapp fünf Jahre bei Frauen gegenüber rund acht bei Männern), bleibt aber beachtlich. Das unterstreicht ein strukturelles Problem – paritätisch besetzte Gremien suchen ihre Balance nach wie vor eher als Ausnahme denn als Regel. Quo vadis, Fortschritt?
Die aktuelle Entwicklung bringt einen Moment des Innehaltens: Nach Jahren, in denen der Frauenanteil in DAX- und MDAX-Vorständen allmählich wuchs, ist nun erstmals ein kleiner Rückgang zu beobachten. Während einzelne Unternehmen deutliche Fortschritte zeigen, besonders was eine Parität der Vorstände angeht, stagniert der Wandel auf breiter Front. Der internationale Vergleich offenbart: Deutschland droht bei Vielfalt in Führungsetagen an Boden zu verlieren – vor allem, weil Frauen weiterhin selten entscheidende Ressorts führen und ihre Amtszeiten deutlich kürzer sind. Die neuen Zahlen haben eine größere Debatte über die Wirksamkeit von Quoten und Förderprogrammen ausgelöst, gerade auch angesichts der anhaltend hohen Zahl ‚rein männlicher‘ Vorstände in traditionsreichen Unternehmen. In aktuellen Kommentaren warnen Expertinnen davor, dass Unternehmen ohne eine echte Strategie zur Frauenförderung Gefahr laufen, im internationalen Wettbewerb langfristig ins Hintertreffen zu geraten. Es bleibt unklar, ob der Rückschritt ein einmaliger Ausrutscher ist, oder strukturelle Defizite verstärkt sichtbar werden. In der öffentlichen und politischen Debatte wird spürbar mehr Druck aufgebaut – ob das reicht, um die Entwicklung erneut zu drehen, bleibt offen.