Skagerrak: Im Zentrum der Animation
Manchmal passiert etwas Ungewöhnliches im Jubiläen-Karussell der Geschichte: 110 Jahre nach der gigantischen Seeschlacht vor dem Skagerrak können Interessierte das Geschehen nun via animierter Karte nachvollziehen. 250 Kriegsschiffe – das klingt fast wie eine Szene aus einem chaotischen Schulbuch, aber dort, am 31. Mai 1916, trafen Royal Navy und Kaiserliche Marine aufeinander. Die Hoffnung auf eine 'entscheidende Waffe' erfüllte sich nicht recht, wie Christian Jentzsch anschaulich erklärt: Am Ende stand kein Sieger. Wer sich ratlos gefragt hat, was eigentlich das berühmte "Crossing the T" ist, bekommt die Taktik diesmal nicht bloß beschrieben, sondern im Bewegtbild nachvollziehbar gemacht.
USA: Geburtsstunde einer Demokratie
Der 4. Juli 1776 – für viele mehr als ein Datum mit Grill und Feuerwerk. Volker Depkat beleuchtet den komplexen Unabhängigkeitskampf der 13 Kolonien, dessen internationale Spannweite (Frankreich, Spanien und andere mischten kräftig mit) oft vergessen wird. Die neuen Staaten legten damit nicht nur Großbritannien lahm, sondern schufen eine bis heute prägende Demokratie, mit allen Widersprüchen und folgenreichen Weichenstellungen.
Ridgeway: Kanadas erstes Kriegsabenteuer
1876, fast ein Jahrhundert nach der amerikanischen Revolution, tobte abermals ein Konflikt in Nordamerika. Die Fenian Brotherhood – Irischstämmige mit militanten Ambitionen – überquerten die Grenze nach Kanada, um Druck auf die britische Kolonialmacht auszuüben. Björn Mielbrandt zeichnet nach, wie dieses Abenteuer zu einem besonderen Kapitel in Kanadas Militärgeschichte wurde – und was daran gescheitert ist.
Letzte DDR-Skizzen: Realitäten zwischen den Zeilen
1989/90– eine Zeit, in der Geschichte im Zeitraffer passierte, aber viele Menschen noch die rosarote Propaganda der DDR zu hören bekamen. Wer wie Michael Paterson mit Block und Stift durch Ost-Berlin schlenderte, bekam ein ganz anderes Bild: Redliche Soldaten, graue Wände, leiser Abschied vom Marxismus. Klaus Storkmann gibt dazu historische Einordnung – was bleibt, sind Skizzen, die Blicke hinter die offizielle Fassade freilegen.
Reichsarmee: Ernsthafte Macht oder Papiertiger?
Acht Jahrhunderte existierte das Heilige Römische Reich – und fast die Hälfte dieser Zeit diente eine Reichsarmee, die oft mehr Patchwork als echte Streitmacht war. Robert Riemer nimmt imperialen Größenwahn und pragmatische Militärkultur auseinander: Der Mythos Reichsarmee als schlagkräftige Kraft wird kritisch hinterfragt, von grandios bis grotesk.
Wer mehr will, findet die komplette Ausgabe – frei zum Download – auf der Website des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.
Pressekontakt:
Oberstleutnant Michael Gutzeit, ZMSBw
Tel. 0331 9714 400, ZMSBwPressestelle@bundeswehr.org
Die aktuelle Ausgabe der 'Militärgeschichte' deckt ein überraschend breites Spektrum ab: Von der taktisch faszinierenden Skagerrakschlacht im Ersten Weltkrieg, die erstmals mit animierter Karte erlebbar wird, über die tiefgreifenden Auswirkungen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges auf das globale Machtgefüge, bis hin zu wenig bekannten Kapiteln wie der Schlacht bei Ridgeway, die Kanadas militärische Identität beeinflusste. Besonders eindrücklich sind die künstlerischen Skizzen aus den letzten Monaten der DDR, die den Alltag und die Propaganda der auslaufenden Ära sichtbar machen und damit eine seltene Perspektive jenseits offizieller Wahrnehmung bieten. Kritisch untersucht wird zudem die Schlagkraft der Reichsarmee: War sie eine wirkliche europäische Größe oder doch nur ein zersplitterter 'Papiertiger'? Ergänzend zu diesen Themen berichtet die aktuelle Presse ferner, dass sich Militärgeschichte immer häufiger mit Fragen der Erinnerungskultur und gesellschaftspolitischen Dynamiken auseinandersetzt – der Diskurs über Deutungshoheit und Narrative gewinnt an Relevanz. Zeitungen wie die FAZ oder ZEIT reflektieren zudem vermehrt die Folgen historischer Militärkonflikte auf demokratische Kulturen und internationale Beziehungen. Die Debatten um den Umgang mit Militärtradition und „neue“ Erinnerungskultur werden, teils hitzig, aktuell geführt und verbinden so historische Bildungsarbeit mit gegenwärtiger Kontroverse.