Die Nacht in Kansas City war für Fußball-Fans ein zweischneidiges Erlebnis – Chancen gab es zuhauf, Tore eben nicht. Ecuador übernahm über weite Phasen das Kommando. Früh schon hatte Enner Valencia die große Gelegenheit, aber Curacaos Torwart Room parierte glänzend. Als Zuschauer vibrierte man mit: Ecuador drückte, Curacao verteidigte mit Herz und gelegentlich schien es, als hätten sie ihren Kasten mit einer unsichtbaren Wand versehen. Immer wieder lief das Spiel auf das Tor von Room zu – was für eine Show des Keepers. Andersherum, Curacao setzte gelegentliche Stiche, schaffte es aber nicht, den Ball an Ecuadors Defensive vorbei in die Maschen zu bringen.
Nach der Pause dasselbe Bild: Ecuador, durch die Hälfte von Curacao wirbelnd, suchte nach der Lücke, aber Room war überall und der Torpfosten half stillschweigend. Bei aller Überlegenheit fehlte Ecuador am Ende schlicht die letzte Konsequenz vor dem Tor. Curacao verteidigte wie die Löwen, trieb gelegentlich einen Konter nach vorne, aber das Drehbuch des Spiels war schon in der ersten Halbzeit geschrieben. So blieb es beim 0:0 – für beide Teams eine gemischte Bilanz. Kurios: Für Curacao ein historischer WM-Punkt, für Ecuador nur ein kleiner Schritt.
Deutschland hingegen kann sich entspannt zurücklehnen – das Unentschieden der Gruppenmitglieder reicht aus, um vorzeitig Erster zu werden. Die abschließenden Gruppenspiele am Donnerstag (Ecuador-Deutschland, Curacao-Elfenbeinküste) sind für die DFB-Elf fast schon Schaulaufen, der Fokus liegt bereits auf dem Achtelfinale. Man darf gespannt sein, ob sich die bisher so beherzt auftretenden Außenseiter nochmal in Szene setzen können. Währenddessen fragt man sich in Ecuador wohl, wie man Room am letzten Gruppenspieltag endlich überwinden kann.
Das torlose Remis zwischen Ecuador und Curacao beendete nicht nur eine Partie voller vergebener Gelegenheiten, sondern sorgte zugleich für klare Verhältnisse in Gruppe E: Deutschland steht vorzeitig als Gruppenerster fest und kann im abschließenden Spiel taktisch experimentieren. Für Curacao war es der erste Punkt bei einer WM-Endrunde, worauf das Team – gemessen an der Styles des Underdogs – zurecht stolz sein kann. Während Ecuador im letzten Gruppenspiel gegen den favorisierten DFB auf Wiedergutmachung aus ist, richten sich die Blicke der Mitfavoriten bereits auf die K.o.-Runde. Erstaunlich übrigens, dass sowohl internationale als auch deutschsprachige Medien das Remis zwar notierten, aber in erster Linie die Dominanz Ecuadors und die Paradeleistungen von Room betonten. Laut taz wurde nach dem Abpfiff besonders diskutiert, inwieweit auch kleinere Nationen bei dieser WM für Überraschungen sorgen können – und dass so ein Unentschieden manchmal einen ganzen Turnierverlauf auf den Kopf stellt.