Gen Z und die Kunst der Bewerbung: Warum 100 Bewerbungen kein Weltuntergang sind

Wien und Berlin am Tag der Arbeit: Während Politiker von Solidarität sprechen, sitzt eine ganze Generation ratlos vor dem Bewerbungs-Postfach. 100 erfolglose Bewerbungen, Frust – aber war das wirklich Scheitern? Ein Werbetherapeut meint, den meisten Jungen fehlt schlicht das Handwerkszeug für Selbstvermarktung und die richtige Dosis Mut, um auf dem Arbeitsmarkt aufzufallen.

vor 35 Minuten | 2 mal gelesen

Feiertag, rote Fahnen, Sprechchöre: Der 1. Mai ist wieder einmal vorbei und irgendwo zwischen Umzugswagen und Festreden sitzt jemand – vermutlich Anfang zwanzig – und wundert sich, warum von hundert Abschicken-Klicks so wenig zurückkommt. Steuererklärung: schwer. Bewerbungen? Manchmal noch mehr ein Buch mit sieben Siegeln. Wer weiß schon, wie man diese seelenlosen Standardsätze in echte Aufmerksamkeit übersetzt? Alois Gmeiner, Werbetherapeut und Sachbuch-Mensch aus Wien, hat da seine ganz eigenen Gedanken: Die meisten Bewerbungskurse, meint er, sind wie Butterbrotpapier – schnell verbraucht, uninspiriert, null Mehrwert. Seiner Meinung nach müsste man sich viel mehr an klassischen Werbestrategien orientieren. Also, das Profil so verpacken, dass man eben auffällt – bunt oder unbequem, jedenfalls nicht langweilig. Das Interessante: Im Marketing ist es vollkommen normal, dass vielleicht jedes hundertste Mailing echten Erfolg bringt. Niemand macht ein Drama draus. Auf dem Jobmarkt? Da sind 100 Bewerbungen oft schon Endstation Frust – mit ganz falscher Erwartungshaltung. Das Problem sitzt tiefer: Junge Menschen werden oft mit Standardsätzen allein gelassen. Ihnen hat nie jemand beigebracht, wie man sich selbst als „Marke“ inszeniert, wie man analysiert, auswählt und dann ganz gezielt den berühmten Nagel auf den Kopf trifft. „Wer sich nicht differenziert, verschwindet im Einheitsbrei“, sagt Gmeiner und ärgert sich über eintönige Bewerbungstipps. Der Arbeitsmarkt ist eben ziemlich unromantisch: Tausend Versuche ergeben vielleicht ein, zwei echte Chancen. Wer trotzdem sein eigenes Profil bewusst schärft und auch mal Mut zur Schrulligkeit aufbringt, steht bei Personalern gleich ganz anders da. Vor allem: Es braucht Ausdauer. Eigenvermarktung – Zielgruppensicht, ehrliche Positionierung und ein Hauch von Unangepasstheit – kann man lernen. Klingt profan, ist es aber nicht. Denn längst nicht jeder ist sich über seinen eigenen Wert wirklich im Klaren. Kleiner Seitenhieb: Noch eine unpersönliche, KI-generierte Bewerbung mehr? Kann man sich sparen, sagt Gmeiner. Lieber Arbeit investieren, Schliff draufgeben und den eigenen Stil so sichtbar wie möglich machen. Wer sich nicht entmutigen lässt, die Suche als Arbeit (im wahrsten Sinne) versteht und Refinement als Daueraufgabe begreift, kann über Zeit fast zwangsläufig auch Treffer landen. Nicht zuletzt: Wer sich Hilfe sucht, kann einiges abkürzen. Zum Beispiel über persönliche Coachings – wie sie Gmeiner anbietet. Es sei jedem gegönnt, den Mut aufzubringen, mal ein wenig quer zu denken. Alles besser, als beim hundertsten „Hiermit bewerbe ich mich“ einzuschlafen.

Der Artikel rückt die Perspektive auf Bewerbungen bei jungen Menschen ins rechte Licht: Viele der heute Berufseinsteigenden wurden nie wirklich für die Realität des Arbeitsmarkts gewappnet. Alois Gmeiner, Werbetherapeut, plädiert – teils recht schnörkellos – für mehr Mut zur Individualität beim Bewerben, jenseits von eintönigen Standardkursen der Jobcenter. Seine Sicht: Man muss lernen, sich selbst wie eine Marke zu präsentieren, aus der Masse auszubrechen und Niederlagen als normalen Teil des Prozesses zu akzeptieren. Aktuelle Ergänzungen aus der Forschung und Medien zeigen: Die Unsicherheit bei der Gen Z ist aktuell sehr hoch, weil der Übergang von Ausbildung in den Beruf von vielen als Hürde erlebt wird. Arbeitgeber und Coaches bemängeln die Einförmigkeit vieler digitaler Bewerbungen – eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft spricht von sinkender Rücklaufquote standardisierter Bewerbungsunterlagen und empfiehlt gezielt Personal Branding. Zudem berichten mehrere Medien in den letzten Tagen davon, dass gerade im Zuge des Mangels an Fachkräften und großen demografischen Veränderungen viele Unternehmen offener für ungewöhnliche, individuellere Lebensläufe sind – das klassische Bewerbungsritual wird gerade ohnehin vielfach „entzaubert“. Ein kreativer, mutiger Zugang sei auch aus Unternehmenssicht heute oft erfolgsversprechender als der konventionelle Weg.

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