Ganz ehrlich: Wer heute Jugendliche erreichen möchte, kann es sich nicht mehr leisten, an TikTok vorbeizuschauen. Die Zeiten, in denen eine gedruckte Stellenanzeige oder ein Hochglanz-Flyer genügte, sind endgültig vorbei. Es klingt fast schon grotesk, aber laut aktuellen Erhebungen – etwa dem Ausbildungsmatch 2024 von Bertelsmann/IW – surfen mittlerweile rund 30 Prozent der jungen Leute gezielt auf TikTok, um ihren künftigen Chef zu finden. Betriebe? Gerade einmal vier Prozent sind dabei! Man fragt sich wirklich, wie es passieren konnte, dass beinahe 96 Prozent der Unternehmen so weit an der Lebenswelt ihrer künftigen Auszubildenden vorbeiplanen.
Woran liegt das eigentlich? Die Technik ist’s selten. Vielmehr hängt es oft an der Authentizität – oder dem Mangel daran. Junge Menschen haben ein feines Gespür für plumpen Werbegeist oder diese müden Versuche, sich 'hip' zu geben. Influence-Marketing kann die Lösung sein, vorausgesetzt, Betriebe geben die Kontrolle mal ein Stück ab. Karriere-Influencer wie "Mr. Karriere" oder "Ms. Karriere" begeistern auf ihre ganz eigene Art, weil sie eben nicht wie die übliche Marketing-Kommission daherkommen. Sie bewegen sich mitten im digitalen Leben der Jugendlichen, erklären Berufe auf Augenhöhe – und, ja, das scheint zu wirken.
Dass das Hand und Fuß hat, beweisen Beispiele wie die Good News Company aus Dachau, die für Kunden aus Industrie, Verwaltung und Bildung innerhalb eines Jahres hunderte Videos produzierte – teils mit bemerkenswerter Reichweite. Rund 80.000 Menschen pro Clip klicken dort mal eben drauf. Interessant auch: Die erfolgreichsten Strategien setzen auf Dauerpräsenz statt auf Einzelkampagnen. Wer nur einmal kurz auf TikTok vorbeischaut, ist schnell wieder verschwunden aus dem Gedächtnis der Zielgruppe.
Der Trend ist klar: Authentische Inhalte, die zeigen, wie sich Arbeit wirklich anfühlt, und mehrere digitale Kontaktpunkte entlang der ganzen Entscheidungskette. Wenn Unternehmen 2026 noch immer glauben, mit klassischen Wegen an Nachwuchs zu kommen, stehen die Chancen, ehrlich gesagt, ziemlich schlecht.
Die Berufswelt gerät zunehmend aus den Fugen, weil Unternehmen und Azubis auf völlig unterschiedlichen Kanälen kommunizieren. Rund ein Drittel der jungen Bewerberinnen und Bewerber sucht heute über TikTok nach Ausbildungsplätzen, doch die weit überwiegende Mehrheit der Firmen ignoriert genau diese Plattform. Expertinnen und Experten warnen, dass Authentizität und der Einsatz von Karriere-Influencern sowie eine dauerhafte Präsenz auf Social Media entscheidend sein werden, um junge Talente für 2026 und darüber hinaus zu begeistern. Neuere Branchenreports unterstreichen inzwischen, dass Social Recruiting nicht nur Reichweite, sondern auch qualitativ hochwertige Bewerbungen steigert – sofern Unternehmen den Mut haben, jenseits klassischer Konzepte zu denken. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) erleben Firmen, die auf Social-Media-Plattformen und Influencer-Marketing setzen, im Schnitt um 30 % mehr Bewerbungen und eine deutlich gesteigerte Wahrnehmung ihres Ausbildungsangebots.