Gesund fühlen? Nur eine knappe Mehrheit sieht sich wirklich fit – und Präventionsangebote verpuffen

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der mkk halten die Deutschen Prävention zwar für essenziell, doch kaum jemand nutzt sie tatsächlich. Besonders junge Erwachsene erwarten dabei aber wesentlich mehr Engagement von Staat und Politik.

23.02.26 10:05 Uhr | 6 mal gelesen

Jeder kennt die ständigen Diskussionen über unser Gesundheitssystem. Mal fehlen Ärzte, dann wieder schwanken die Kassen – und irgendwo steht immer jemand im Stau beim Versuch, einen Facharzttermin zu bekommen. Aber mal Hand aufs Herz: Wie fühlt sich der „Durchschnittsbürger“ eigentlich selbst? Zahlen einer neuen Befragung durch forsa im Auftrag der mkk legen nahe – das Bild ist weder schwarz noch weiß. Nur 56 Prozent der Teilnehmenden gaben an, ihren körperlichen Zustand für gut oder sehr gut zu halten, trotz dem Üblichen: kein Alkohol im Übermaß, Bewegung, Nichtrauchen.

Psyche? Fast ein Viertel möchte nicht behaupten, psychisch wirklich stabil zu sein. Nur zwei Drittel der Befragten spürten subjektiv echten Rückhalt in ihrer Gefühlswelt. Da steckt einiges an Unsicherheit drin.

Andrea Galle, Chefin der mkk, sieht Handlungsbedarf: Das Land lasse viel gesundheitliches Potenzial brachliegen, meint sie. Es brauche eine komplett neue Strategie, was Vorsorge angeht.

Prävention bleibt Theorie

Obwohl 115.000 zertifizierte Präventionsangebote auf dem Papier existieren – die Realität sieht trist aus. Lediglich ein Zehntel war letztes Jahr vor Ort aktiv; gut jeder Zehnte hatte wenigstens online einen Gesundheitskurs mitgemacht. Für viele scheitert Prävention an banalen Hürden: fehlende Infos, Zeitmangel, Scheu vor Gruppendynamik.

Belohnungsmodelle könnten helfen: 42 Prozent träumen von kostenlosen Kursen, andere von flexiblen Zeiten oder persönlicher Betreuung. Die Bereitschaft, für mehr maßgeschneiderte Angebote persönliche Gesundheitsdaten zu teilen, ist recht hoch – allerdings wünschen sich die meisten Kontrolle darüber, was genau erfasst und genutzt wird.

„Wir als Kasse könnten so viel individueller sein, wenn der Gesetzgeber endlich mehr Datennutzung erlauben würde“, klagt Galle. Noch bleibt das oft reines Wunschdenken – Prävention ist eben meistens noch von gestern.

Prävention als Politikum

Das meiste, was heute an Gesundheitsförderung läuft, passiert, weil die Leute es auf eigene Faust organisieren. Zwei Drittel erwarten aber viel mehr Führung und Verantwortung von Politik, besonders bei jungen Leuten. Noch immer wird Gesundheitsvorsorge politisch stiefmütterlich behandelt.

Vorsorge statt nachher zahlen

Wer sich die Zahlen anschaut, versteht sofort: Die eigentlichen Summen fließen ins Reparieren, nicht ins Vorbeugen. Deutschland plant für 2024 rund 538 Milliarden Euro fürs Gesamtsystem, aber nur knapp 700 Millionen werden in Prävention und Gesundheitsförderung investiert. Die volkswirtschaftlichen Schäden – etwa durch Tabakkonsum, Übergewicht oder Alkohol – sind gigantisch.

Andere Länder setzen längst Steuern auf Zucker oder Tabak durch, und die Rechnung scheint aufzugehen: Weniger Zuckerkonsum, weniger Neuerkrankungen. Gut möglich, dass mit mutigen Gesetzen hierzulande zigtausende Diabetes-Fälle verhindert und Milliarden gespart würden.

Fazit? Ärzte können meist nur heilen, was längst krank ist. Um echte Gesundheit zu fördern, müssten Gesellschaft und Politik endlich umdenken – Prävention wäre mehr als ein schickes Add-on.

Die aktuelle Lage: Nur gut die Hälfte der Menschen in Deutschland fühlt sich körperlich gesund, der Anteil mit stabiler psychischer Gesundheit liegt etwas höher. Trotz zahlreicher Kurse und Initiativen kommt Prävention bei vielen nicht wirklich an: Hauptgründe sind Informationsmangel, Zeitprobleme oder die Scheu vor Gruppenkontakten. Besonders junge Menschen verlangen mehr staatliches Engagement und wünschen sich, dass innovative Maßnahmen wie Zuckersteuern ernsthaft angegangen werden – denn bisher überwiegen die Aufwendungen für die Behandlung anstatt für die Vorsorge. Aus aktuellen Medien: In den letzten Tagen berichten verschiedene Medien über die Kritik an zu niedrigen Investitionen in Prävention, die Herausforderungen bei der digitalen Gesundheitsförderung und einen Trend zu einem wachsenden Gesundheitsbewusstsein, das aber durch Alltagsstress und Informationsflut gebremst wird. Auch diskutiert wird die Notwendigkeit von gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit individuelle Gesundheitsdaten rechtlich sicher für maßgeschneiderte Vorsorgeprogramme genutzt werden können.

Schlagwort aus diesem Artikel