Die eigentliche Frage, die Metzgerei-Chefs heute nachts wachhält, lautet kaum noch: 'Wie finde ich neue Leute?' Vielmehr dreht sich alles darum, wie man es schafft, dass gutes Personal bleibt – und nicht schulterklopfend zur Konkurrenz weiterzieht. Tatsächlich schlummert die Wurzel vieler Personalprobleme im Betrieb selbst: Wie wird miteinander gesprochen, wie werden Entscheidungen gefällt? In einigen Läden herrscht weiterhin eine Auf-und-Ab-Logik – einer sagt, wo’s lang geht, der Rest tut, was man ihm sagt. Das sorgt allerdings nicht für Teamgeist, sondern genau für das Gegenteil: Frust, Distanz, Abwanderung.
Jene neue Art von Führung, die in Krisenzeiten wirklich etwas reißt, setzt bei Mitsprache und Respekt an. Wer seine Leute einbindet – sei es bei Schichtplänen, Öffnungszeiten oder Prioritäten – bekommt oft das Beste zurück: Akzeptanz und Verantwortungsbewusstsein. Geld? Spielt natürlich eine Rolle, ist aber lange nicht mehr das größte Argument. Die Zugehörigkeit, das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, schlägt die nächste Gehaltserhöhung um Längen.
Ein Alltagsthema zeigt das wunderbar: Urlaubsplanung. Wird sie an alle verteilt, gibt es meist weniger Ärger. Manche Dinge im Betrieb scheinen winzig, entfalten aber große Wirkung – etwa, wenn Mitarbeiter ab und zu mitreden, bei betrieblichen Veränderungen sogar mitentscheiden. Aus Betroffenen werden Mitgestalter, das hebt das Betriebsklima. Dabei müssen Chefs nicht gleich ihre ganze Autorität abgeben. Ein bisschen Offenheit reicht oft, um eine Wende einzuleiten, wie ein kräftiger Sprung ins kalte Wasser.
Eine weitere Stellschraube? Wertschätzung, und zwar sichtbar: Sei es gemeinsames Grillen, eine kleine Anerkennung für den Feierabend oder ein freundliches Wort im Alltag – so simpel, so wirkungsvoll. Auch das Privatleben zählt: Die Familie einbinden, echtes Interesse zeigen, das macht den Unterschied. Wertschätzung muss nicht immer auf Geldscheine gedruckt sein, aber wird zu oft unterschätzt.
Nicht zu vergessen: Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Immer mehr Quereinsteiger wagen den Schritt ins Handwerk, klassische Lebensläufe werden zur Seltenheit. Wer heute neue Kräfte gewinnen will, kommt um strukturierte Einarbeitungs- und Onboarding-Prozesse nicht mehr herum. Das kann digital, klar geregelt, mit Video oder Handbuch laufen – Hauptsache, niemand wird ins kalte Wasser gestoßen und allein gelassen. Gemeinsame Ziele, Perspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten sind der Kitt, der das Team zusammenhält und für die nächste Herausforderung wappnet.
Metzgereien stehen – wie große Teile des Handwerks – vor einem existenziellen Personalproblem: Gute Fachkräfte sind knapp, Azubis fehlen, und das Risiko, dass wertvolle Mitarbeiter weggehen, ist hoch. Besonders schmerzhaft sind neben der reinen Arbeitskraft auch der Verlust betrieblichen Know-hows und persönlicher Bindungen. Falsche Führungsstrukturen und mangelnde Wertschätzung werden als zentrale Probleme herausgearbeitet, während gemeinsam getragene Entscheidungsprozesse, transparente Planung und kleine Gesten zur Mitarbeiterbindung beitragen können. Digitale und strukturierte Onboarding-Prozesse helfen, neue Mitarbeiter einzuarbeiten, ebenso wie Entwicklungsperspektiven und das Setzen konkreter Ziele.
Recherchiert man aktuell dazu, zeigen verschiedene Nachrichtenportale: Die Personalnot im Handwerk verschärft sich bundesweit weiter. In NRW meldet die Handwerkskammer nicht nur offene Stellen, sondern warnt eher noch vor einem drohenden Generationenknick, während viele ältere Meister kurz vor dem Ruhestand stehen. Einige Betriebe experimentieren mit radikalen Ideen wie der Einführung einer Viertagewoche, flexibleren Arbeitszeiten oder gezielter Integration von Quereinsteigern, aber es zeigen sich auch viele Berührungsängste mit Digitalisierung und neuen Lernkonzepten. Die Debatte darüber, wie das Handwerk langfristig attraktiv bleibt, ist in vollem Gange.