Widerstand gegen Zugangsbeschränkungen bei Integrationskursen wächst

Starke Kritik aus Wirtschaft und Kommunen: Die geplanten Begrenzungen bei Integrationskursen stoßen bei der DIHK und dem Städte- und Gemeindebund auf Unverständnis. Sprache gilt für alle als Schlüsselelement für Integration.

heute 18:59 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn ich darüber nachdenke, wie Integration ablaufen soll, komme ich immer wieder auf dasselbe Grundproblem zurück: Ohne Sprachkenntnisse bleibt gefühlt jede Tür verschlossen. Das sieht offenbar auch die Chefin der Industrie- und Handelskammer, Helena Melnikov, so – sie warnt im Interview, dass fehlender Zugang zu Sprachkursen nur dazu führt, dass Geflüchtete länger auf Sozialleistungen angewiesen sind. Und wenn das kein Teufelskreis ist! Der Städtebund, genauer gesagt André Berghegger, legt noch einen drauf und spricht von einem Widerspruch: Einerseits wolle das Innenministerium Geflüchteten ermöglichen, schon nach drei Monaten zu arbeiten – aber gleichzeitig würden Sprachkurse limitiert. Logik sieht anders aus, oder? Ihre Forderung: Spracherwerb und Arbeitsmarktintegration gehören zusammen, Punkt. Immerhin gibt's ein Mindestmaß an Einigkeit über die Vorteile, wenn Geflüchtete rascher arbeiten dürfen. Bloß, meint Melnikov, dann bitte alles schlank und unkompliziert, nicht noch mehr Bürokratie. Und ein kleiner Seitenhieb am Schluss von Berghegger: Natürlich soll das alles nur für Menschen mit Bleibeperspektive gelten. Klingt wie eine Selbstverständlichkeit, wird aber immer noch extra betont.

Die Debatte um die Integrationskurse hat sich in den letzten Tagen weiter verschärft, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angekündigt hat, die Zugänge zu regulieren und damit die Wartelisten für Sprachkurse verlängert werden könnten. Die Kritik von Wirtschafts- und Kommunalverbänden konzentriert sich vor allem darauf, dass fehlende Sprachförderung die Integration erheblich verzögert und die Arbeitsaufnahme erschwert – beides zentrale Faktoren für eine gelingende gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Neuere Berichte verschiedener Medien zeigen außerdem, dass die Nachfrage nach Integrationsangeboten stark steigt, während die Finanzierung und Personaldecke vieler Träger zunehmend unter Druck geraten – auch in Anbetracht der angespannten Haushaltslage des Bundes und der Bundesländer.

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