Mehrkosten bei Bundeswehr-Radarsatellitenprojekt 'Spock' noch vor dem Start

Schon bevor das ambitionierte Spock-Satellitensystem der Bundeswehr für den Einsatz abhebt, schnellen die Kosten unerwartet nach oben.

heute 18:20 Uhr | 2 mal gelesen

Es passiert ja selten, dass ein technisch aufwendiges Rüstungsprojekt wie das Bundeswehr-Radarsatellitensystem 'Spock' nicht für Schlagzeilen sorgt – diese Woche kam raus, dass sich die geplanten Ausgaben bereits vor dem offiziellen Start deutlich erhöhen. Laut einer als vertraulich gekennzeichneten Meldung des Finanzministeriums, die dem Haushaltsausschuss zugespielt wurde (wie der 'Spiegel' zuerst ließ verlauten), geht es um bis zu 579,5 Millionen Euro mehr als ursprünglich gedacht. Kurios daran ist, dass erst im Zuge des finalen Angebotsverfahrens gegen Ende 2025 die echten Kostenabschätzungen der Betreibervereinbarung aufgezeigt wurden. Das war offenbar zum Zeitpunkt der Budgetaufsetzung für 2026 schlicht noch nicht absehbar. Doch es gibt Druck, die Gelder jetzt freizugeben: Laut Finanzministerium kann man mit der Ausschüttung nicht bis zum nächsten Haushaltsgesetz warten. Dahinter steht wohl, dass die neue Panzerbrigade in Litauen noch vor Herbst voll einsatzfähig sein soll. Ein späteres Startdatum für das Satellitenprojekt würde angeblich 'die Sicherheit der Truppe vor Ort gefährden.' Noch so eine Wendung, bei der man sich fragt, warum in Rüstungsprojekten gefühlt immer Alarmstufe Rot herrscht. Spocks Radarsatelliten sind übrigens nicht ohne – sie liefern auch dann noch Aufklärungsbilder, wenn Nebel, Regen oder Dunkelheit die Sicht erschweren. Die Brigade 45, die in Litauen stationiert wird, will mit dieser Technik frühzeitig Bewegungen feindlicher Streitkräfte erkennen können. Den Zuschlag für das System erhielt ein deutsch-finnisches Konsortium namens Rheinmetall Iceye Space Solutions (kurz: Riss). Ursprünglich hatte man einen Vertragspreis von 1,76 Milliarden Euro anvisiert, aber zusätzliche Optionen könnten die Kosten fast spielend auf 2,7 Milliarden Euro (bis spätestens 2033) hochtreiben. Und wer weiß, ob’s nicht noch mehr wird? Bei solchen Mammutprojekten scheinbar alles möglich.

Das Spock-Projekt der Bundeswehr, ein hochmodernes Radarsatellitensystem, wird bereits vor der eigentlichen Inbetriebnahme deutlich teurer als zunächst angesetzt. Ursprünglich waren 1,76 Milliarden Euro vorgesehen, doch inzwischen rechnet das Finanzministerium mit Mehrkosten von bis zu rund 580 Millionen Euro. Hintergrund ist, dass die realen finanziellen Erfordernisse erst spät im Vergabeprozess klar wurden. Nicht nur soll die neue Panzerbrigade in Litauen möglichst zügig abgesichert werden, auch spielt die wetterunabhängige Überwachungsfähigkeit der Satelliten eine zentrale Rolle zur Früherkennung militärischer Bedrohungen. In aktuellen Medienberichten wird verstärkt darauf hingewiesen, dass Kostenüberschreitungen und Verzögerungen bei Rüstungsvorhaben keineswegs ein Einzelfall sind – zahlreiche Großprojekte im Verteidigungsministerium leiden unter ähnlichen Strukturen von Intransparenz, Zeitdruck und ungenauen Budgetkalkulationen.

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