GKV-Reform: NRW-Krankenhäuser warnen vor Abwicklung von Geburtshilfen

Mit deutlichen Worten meldet sich die nordrhein-westfälische Krankenhausgesellschaft angesichts der geplanten Gesundheitsreform zu Wort – besonders Einrichtungen rund um Kinder und Geburten sehen sie in Gefahr.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

Dass Sparmaßnahmen oft unerwartete Nebenwirkungen haben, zeigt sich gerade an den aktuellen Reformplänen der Bundesregierung im Gesundheitswesen. Ingo Morell, Chef der Krankenhausgesellschaft NRW, ließ gegenüber der 'Rheinischen Post' durchblicken, dass das Finanzpolster vieler Kliniken schon jetzt mehr ein löchriges Sieb als ein sicherer Schutz wäre. In Zahlen: Rund 75 Prozent der Krankenhäuser arbeiten bereits im roten Bereich. Mehr als eigentümlich, wenn man bedenkt, dass zusätzliche Kürzungen anstehen – und damit noch einmal acht Prozent der bisherigen Einnahmen gestrichen werden sollen. Was das in der Praxis bedeutet? Nun, weniger Spielraum, höhere Rechenspielereien. Gerade Geburtshilfestationen und Kinderabteilungen – also Bereiche, die ohnehin selten als Goldesel gelten – könnten zuerst gestrichen werden, weil sie schlicht nicht wirtschaftlich genug sind. Morell gibt zu bedenken: Das Fallpauschalen-System belohnt Masse, aber viele kleinere Häuser kommen auf zu wenige Geburten, um das System finanzieren zu können. Bisher wurde vieles querfinanziert, aber diese Möglichkeiten dünnen jetzt aus. Düster sieht es erst recht aus, wenn man Kinderkliniken betrachtet: Im Herbst und Winter geht’s rund – RSV-Wellen, volle Betten, Eltern am Rande der Nervenstärke. Im Sommer dagegen gähnende Leere, nicht aber bei den Vorhaltekosten, die laufen einfach weiter. Wenn noch mehr pädiatrische Abteilungen dicht machen müssen, könnten Eltern für die nächste Anlaufstelle bald weite Strecken zurücklegen. Morell macht klar: So eine Grundversorgung sei nicht mal eben durch Sparstift-Politik zu ersetzen. Deshalb sein Aufruf an die Länder, im Bundesrat nochmals Stopp zu rufen und für dringend nötige Nachbesserungen einzustehen.

Die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung bedroht die wirtschaftliche Existenz vieler Geburts- und Kinderstationen in deutschen Krankenhäusern, speziell in Nordrhein-Westfalen, wo laut KGNW-Präsident Morell ein Viertel der Kliniken bereits Verluste macht. Morell weist darauf hin, dass das Fallpauschalensystem für kleinere Kliniken generell nachteilig ist, da sie nicht genug Fallzahlen erreichen und bisherige Quersubventionierungen durch die geplanten Einsparungen verunmöglicht werden. Aktuelle Nachberichte zeigen außerdem, dass zahlreiche Kommunen bereits Protestbündnisse organisieren, oppositionelle Landesregierungen im Bundesrat Änderungen planen und Experten einen Fachkräftemangel befürchten, der sich in ländlichen Regionen besonders stark auswirken könnte; zudem wird die Frage, wie die Versorgungssicherheit für Geburten und Kinder aufrechterhalten werden soll, in der öffentlichen Debatte zunehmend kritisch hinterfragt.

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