Grüne fordern Aufklärung von Jens Spahn in hitziger Leihmutterschaftsdebatte

Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, fordert vom CDU-Politiker Jens Spahn eine persönliche Stellungnahme zum Thema Leihmutterschaft. Es geht um private und politische Ambivalenzen.

heute 12:00 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal treffen Öffentlichkeit und Privates wie zwei Züge auf offener Strecke aufeinander – so auch bei Jens Spahn. Während er sich bislang politisch eher gegen Leihmutterschaft positioniert hat, stehen ihm jetzt genau wegen eigener privater Entscheidungen unbequeme Fragen ins Haus. Felix Banaszak von den Grünen sprach im TV davon, hier klaffe eine Lücke zwischen Anspruch und Handeln. Verständlich sei, meint Banaszak, dass das in der eigenen Partei und auch darüber hinaus für Unruhe sorge. Allerdings betonte er dabei auch, dies alles auf der politischen Ebene diskutieren zu wollen, ohne dabei Spahns persönliches Glück infrage zu stellen – man könne das schon trennen, wenn man wolle. Interessant: Auch der Berliner CDU-Politiker Stefan Evers rückt auf Abstand zu Spahn. 'Für mich wäre Leihmutterschaft nichts', so Evers, der ebenfalls mit einem Mann verheiratet ist. Er bringt – vielleicht ernüchternd ehrlich – das Dilemma der gesamten Debatte auf den Punkt: Männer könnten diese Frage kaum abschließend beantworten. Dazwischen schießt Bettina Jarasch von den Grünen schärfer – Spahns Verhalten nannte sie nicht weniger als 'heuchlerisch'. Den Spagat zwischen moralischer Rhetorik und persönlichem Handeln, so Jarasch, könne man auch nicht mehr als privates Detail abtun.

Der Vorwurf gegen Jens Spahn entzündet sich an dem vermeintlichen Gegensatz zwischen seiner privaten Nutzung einer Leihmutterschaft und der politischen Haltung, die er und seine Partei oft vertreten: Leihmutterschaft bleibt in Deutschland verboten und gesellschaftlich hochumstritten. Die Grünen verlangen Aufklärung und sehen einen gravierenden Unterschied zwischen persönlichem Leben und öffentlicher Forderung, während in der CDU die Lager offenbar etwas ratlos auseinanderdriften – selbst unter tatsächlichen Betroffenen. Neuere Entwicklungen zeigen, wie rasant sich die gesellschaftliche Debatte dreht: Justizminister Marco Buschmann brachte erst vor wenigen Tagen eine kontrollierte Legalisierung der Leihmutterschaft nach niederländischem Vorbild ins Gespräch, was erneut für Diskussionen quer durch die Fraktionen sorgte. Zudem wurde publik, dass viele in Deutschland lebende Paare und Einzelpersonen – unabhängig von sexueller Identität – längst Lösungen im Ausland suchen. Dieser Trend setzt Politik und Gesellschaft weiter unter Erklärungs- und Reformdruck. Einem aktuellen Artikel zufolge überlegt die Bundesregierung, Leitlinien für eine mögliche Legalisierung zu adaptieren, um Kinder, Leihmütter und „Bestell-Eltern“ besser zu schützen und zu entlasten. Die Debatte bleibt einer der umstrittensten Punkte familien- und bioethischer Gesetzgebung.

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