Grünen-Abgeordneter Dahmen: Wandel vom Wehrdienstverweigerer zum Reservisten – Für die Verteidigung Deutschlands bereit

Janosch Dahmen, bislang als Wehrdienstverweigerer bekannt, ist nun Reservist der Bundeswehr und wirbt für einen Gesellschaftsdienst für alle – notfalls will er Deutschland auch bewaffnet schützen.

heute 21:45 Uhr | 3 mal gelesen

Es gibt Nachrichten, über die man mehrfach stolpern muss, bevor sie wirklich ankommen – so auch diese: Janosch Dahmen, bisher gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen und überzeugter Wehrdienstgegner, hat nun das Uniformhemd übergestreift und sich als Reservist verpflichtet. Im "Spiegel" erläutert er seinen Sinneswandel. Dahmen, von Beruf Notfallmediziner, räumt ein, dass es ihm nie darum ging, Gewalt zu verherrlichen, ganz im Gegenteil: "Ich will keinen Menschen töten." Doch seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sieht er die Realität schärfer – Selbstverteidigung sei keine Option für andere, sondern auch seine eigene Verantwortung. Seinen Worten lässt er Taten folgen: Teilnahme an einer Bundeswehrübung in Bayern, öffentliches Gelöbnis in Straubing. Jetzt will er auch innerhalb der Grünen-Fraktion einen neuen Wind wehen lassen, was die Haltung zur Bundeswehr betrifft. Dahmen vertritt die Ansicht, es sollte gesellschaftliche Pflicht werden, nach der Schule sechs bis zwölf Monate zum Dienst zu leisten – und zwar jeder, egal, ob bei der Bundeswehr oder in anderen wichtigen Bereichen wie Katastrophenschutz oder Sozialdiensten. Und das Ganze nicht als einmalige Episode: Alle sechs Jahre, so sein Vorschlag, ein sechs Wochen dauernder Wiederholungseinsatz. Die Verantwortung dürfe nicht auf den Schultern der Jugend allein lasten; ein Gedanke, in dem wohl mehr Realismus als Romantik steckt. Im vergangenen Herbst kam es auf dem Parteitag der Grünen bereits zu einer knappen Entscheidung für die verpflichtende Musterung junger Männer. Über alternative Modelle wie jene, die Dahmen anbringt, wurde damals allerdings kaum diskutiert. Es bleibt also ein wachsendes, vielleicht auch innerlich umkämpftes Thema – mit Dahmen als lautem Fürsprecher für Wehrhaftigkeit in der eigenen, nun umgedachten Partei.

Dahmen hat durch Russlands Angriff auf die Ukraine seine Überzeugungen infrage gestellt und ist jetzt selbst Reservist. Er fordert eine breite Debatte über neue Pflicht- und Freiwilligendienste als gesellschaftliches Zusammenhaltsprojekt und hat damit innerparteilich ein umstrittenes Thema angestoßen. Kontroverse Stimmen innerhalb der Grünen verweisen auf die Friedensideale der Partei, während Dahmen und andere für eine realistischere und breiter getragene Verteidigungsbereitschaft in turbulenten Zeiten plädieren. Aktuelle Entwicklungen rund um Wehrpflicht und Bundeswehr zeigen ein tiefes gesellschaftliches Ringen um die Frage, wie Deutschland seine Sicherheit gestalten will. Laut einer Recherche (z.B. bei taz und Zeit Online) rücken angesichts internationaler Krisen und wachsender Unsicherheiten Überlegungen zu Wehr- und Gesellschaftsdiensten wieder stärker ins Zentrum der politischen Diskussion. Die Bundesregierung prüft derzeit verschiedene Modelle von Pflichtdiensten, der Verfassungsschutzbericht spricht offen von einer höheren Bedrohungslage, und Stimmen wie Dahmen geben dem Diskurs eine neue Richtung – hin zu mehr persönlicher Verantwortung für den Schutz des Landes. Einig ist man sich allerdings noch längst nicht: Die Debatten um den besten Weg zwischen Friedenspolitik und Wehrhaftigkeit bleiben ein offenes, emotional besetztes Feld.

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