Janosch Dahmen, bekannt in der Grünen-Fraktion vor allem als Experte für Gesundheitsthemen, hat jüngst einen bemerkenswerten Schritt getan, der vielleicht so manchen in seiner Partei überrascht hat. Früher hat Dahmen den Wehrdienst noch verweigert, sogar aus Gewissensgründen. Doch jetzt, mit 44, ist er Reservist der Bundeswehr geworden, wie 'Der Spiegel' berichtete. Seine Erklärung dazu klingt nachrichtlich und nachdenklich zugleich: "Ich will weiterhin niemanden töten, aber ich muss einsehen, dass sich die Welt dreht – und dass Entscheidungen, die früher überzeugend waren, heute oft relativ werden." Im Juni hat Dahmen seine erste mehrtägige Übung als Sanitätssoldat in Feldkirchen absolviert, das Gelöbnis dazu gab’s öffentlich.
Durch Putins Angriffskrieg in der Ukraine, sagte er, sei ihm endgültig klargeworden, dass die Verteidigung des Landes keine delegierbare Aufgabe mehr ist: "Es ist nicht mehr nur die Aufgabe der anderen, das Land zu schützen."
Dahmen spricht sich innerhalb der Grünen für ein neues Verhältnis zur Bundeswehr aus. In einer Arbeitsgruppe der Bundestagsfraktion diskutiert man derzeit verschiedene Modelle, etwa einen Pflicht- oder freiwilligen Dienst für alle nach der Schule. Der Politiker schlägt einen sogenannten allgemeinen Gesellschaftsdienst vor, den junge Menschen für sechs bis zwölf Monate leisten – das könne auch im zivilen Rettungswesen oder Bevölkerungsschutz sein, nicht nur beim Militär. Wiederkehr solle es auch geben: Alle sechs Jahre sechs Wochen Dienst, so fand Dahmen. "Wir können das Thema Verantwortung nicht einfach an eine Altersgruppe oder bestimmte Berufswünsche abschieben."
Beim letzten Bundesparteitag bekannten sich die Grünen nur knapp zur verpflichtenden Musterung junger Männer, so wie es das neue Wehrpflichtgesetz für die ab 2008 Geborenen nun vorsieht. Alternativen wie andere Formen von Gesellschaftsdiensten blieben auf dem Parteitag allerdings außen vor.
Janosch Dahmen, bisher mit pazifistischer Haltung, stellte sich der Realität geopolitischer Bedrohungen und ist neuerdings Reservist der Bundeswehr. Geprägt vom russischen Angriff auf die Ukraine, hält er es nicht mehr für verantwortbar, Verteidigung allein anderen zu überlassen. Er plädiert für allgemeine Gesellschaftsdienste, bei Militär oder Hilfsorganisationen, die auch regelmäßig wiederholt werden sollen – und fordert eine Debatte über neue Verantwortungsmodelle innerhalb der Grünen.
Eine aktuelle Debatte um Wehrpflicht und Gesellschaftsdienste hat Dynamik gewonnen: Die Bundesregierung prüft laut mehreren Medienberichten, vor dem Hintergrund verschärfter Sicherheitslage in Europa und angesichts eines ausgedünnten Verteidigungsetats, neue Modelle. Die Bundeswehr steht vor massiven Herausforderungen bezüglich Personal und Ausrüstung, was die Diskussion über Wehrpflicht oder alternative Dienste anheizt. Zeitgleich polarisiert die Forderung nach gesellschaftlicher Wehrhaftigkeit, während die Grünen sich intern weiter mit ihrem grundsätzlich pazifistisch geprägten Selbstverständnis konfrontieren. Der Vorstoß von Dahmen fällt in eine Zeit, in der einer aktuellen Umfrage zufolge mehr als die Hälfte der Deutschen laut taz für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sind (Stand Juni 2024).