Grüner Wasserstoff: Was er leisten kann – und warum der Durchbruch auf sich warten lässt

Die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie steht für Europa wie ein unbezwingbarer Gipfel vor uns. Die EU will bis 2050, China bis 2060 klimaneutral werden – der Hoffnungsträger? Wasserstoff! Doch vom großen Hochlauf sind wir meilenweit entfernt: Nur ein Bruchteil der angekündigten Projekte geht wirklich ans Netz. Passend dazu rückt die ees Europe, die größte Fachmesse für Energiespeicher, das Thema Wasserstoff mit dem 'Hydrogen Dialogue Forum & Expo' und dem Summit Ende Juni in München in den Fokus. Die Messe verspricht Einblicke, Streitgespräche – und vielleicht ein paar Antworten auf die nagenden Fragen rund um die Wasserstoff-Zukunft.

heute 11:00 Uhr | 4 mal gelesen

Eigentlich klingt alles ganz simpel: Wasserstoff als Zauberstoff, der unsere Industrie und Energieversorgung aus den Ketten der fossilen Brennstoffe befreit. Tatsächlich aber stammen fast sämtliche genutzten Wasserstoffmengen noch immer aus Erdgas oder Kohle. Klar, derzeit ist Wasserstoff vor allem in der Ammoniakherstellung, Raffinerien oder bei Methanol gängig – alles andere ist noch Zukunftsmusik. Und der angeblich „grüne“ Wasserstoff? Der spielt nach wie vor kaum eine ernsthafte Rolle. Daran ändern auch flotte Zielmarken wenig, wenn die Realität bockt: Der Aufbau eines Wasserstoffnetzes zieht sich, die Produktion kostet zwei- bis dreimal mehr als die fossile Konkurrenz. Erst wenn Gas mal wieder durch Decke geht, lohnt sich das überhaupt. Ein Blick auf die Zahlen lässt jeden Optimismus ein Stück schrumpfen: 2024 wurden weltweit etwa 100 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert, aber gerade einmal 1 % davon klimaneutral. Und dieser Mini-Anteil kam nur durch wachsende Elektrolyse-Projekte zustande – bislang ein Tropfen auf den heißen Stein. Hoffnung macht, dass die IEA einen Boom bis 2030 prognostiziert: Vervielfachung auf 4,2 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff weltweit, China voran, Europa durch CO2-Bepreisung im Aufwind. In den USA oder im Nahen Osten, wo Gas billig bleibt, allerdings weiter zäh. Klar ist: Wer unabhängig von den launischen Preissprüngen für Gas und Öl werden will, braucht Alternativen. Der Krieg in der Ukraine und Unsicherheit durch Konflikte wie im Iran machen einmal mehr bewusst, wie riskant die Abhängigkeit von alten Strukturen bleibt. Schon jetzt sind Momente denkbar, in denen grüner Wasserstoff sogar günstiger war als sein graues Pendant. Aber: Ohne Speichermöglichkeiten, Wandel bei Verbrauch und Infrastruktur bleibt die Idee auf halber Strecke stecken. Was fehlt, sind Elektrolyseure, Investitionsbereitschaft und Nachfrage. Die EU und manche Staaten trommeln für rasanten Ausbau – auf dem Papier. In der Wirklichkeit ziert man sich aber, die Sache wirklich groß zu denken und zu fördern. Dass es trotzdem Hoffnung gibt, sieht man an Veranstaltungen wie dem Hydrogen Dialogue in München. Hier diskutieren Branchenvertreter – vielleicht mal ehrlich und nicht nur mit Hochglanzpräsentationen – über den langen Weg, vom Hoffnungsträger zum echten Energieträger. Und am Rande: Ich frage mich, ob wir nicht Gefahr laufen, den Zug zu verpassen, während im fernen Osten andere längst losfahren.

Grüner Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger für die Energiewende, besonders für Bereiche wie die Stahlproduktion, die sich nicht einfach elektrifizieren lassen. Allerdings wird bislang weniger als ein Prozent des weltweiten Wasserstoffs tatsächlich emissionsfrei erzeugt, vor allem weil wirtschaftliche und politische Hindernisse – von hohen Kosten über schleppenden Ausbau bis fehlende Nachfrage – den Durchbruch verzögern. Neueste Entwicklungen zeigen, dass China und Europa stark auf den Ausbau setzen und politische Krisen die Diskussion um Versorgungssicherheit befeuern. Laut aktuellen Presseberichten will beispielsweise die Bundesregierung Investitionen in den Hochlauf forcieren, auch weil der Aufbau von Erzeugungskapazitäten und Pipelines für die Unabhängigkeit von Gasimporten als strategisch entscheidend gilt. Zudem diskutieren neue Studien aktuell, ob die Preisentwicklung am Energiemarkt den nötigen Schub für Investitionen in grünen Wasserstoff liefert – etwa durch CO2-Bepreisung. Gleichzeitig gibt es skeptische Stimmen, die auf technische Hürden und die Gefahr von Importabhängigkeit hinweisen, sollten EU und Deutschland die Entwicklung weiter verschlafen.

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