Stabwechsel bei der Neuapostolischen Kirche Süddeutschlands: Martin Rheinberger übernimmt Leitung

Ein Generationswechsel vollzieht sich an der Spitze der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland. Nach zwei Jahrzehnten unter Michael Ehrich steht mit Martin Rheinberger nun eine neue Persönlichkeit im Zentrum der kirchlichen Verantwortung – mit Blick weit über Deutschland hinaus.

heute 08:30 Uhr | 3 mal gelesen

Irgendwann verändern sich die Dinge, meist dann, wenn man gerade denkt, sie könnten ewig so weiterlaufen. Genau dieser Moment ist für die Neuapostolische Kirche Süddeutschland gekommen: Nach fast 20 Jahren verlässt Michael Ehrich seinen Posten als Bezirksapostel, und Martin Rheinberger tritt sein Erbe an. Kein kleines Feld; über 500 Gemeinden erstrecken sich von den schwäbischen Albträumen bis zu den bayerischen Bergen, ergänzt um einige Gemeinden in Hessen – und nicht zu vergessen: zahlreiche weitere auf anderen Kontinenten. Rheinberger, Jahrgang 1967, wirkt pragmatisch und bodenständig, als hätte er aus dem süddeutschen Alltag die nötige Ausgewogenheit zwischen Glauben und Organisation gezogen. Schließlich war er viele Jahre zwischen Geschäftsleitung und Gemeindedienst unterwegs – etwas, das ihn wohl besonders für das überraschend komplexe Netzwerk der Kirche gerüstet hat. Sein Arbeitsalltag findet jetzt im modernen Zentrum in Stuttgart statt, unterstützt, aber wohl auch herausgefordert von 70 Kolleginnen und Kollegen. Man könnte ja meinen, so ein Führungswechsel sei reine Formalie – doch gerade in Glaubensgemeinschaften formen Personen oft Unvorhersehbares: Wer weiß schon, ob Rheinberger frischen Wind einbringt oder sich der bewährten Linie seines Vorgängers anschließt? Apropos Vorgänger: Michael Ehrich brachte dem Amt Ernsthaftigkeit und dauerhafte Präsenz, 20 Jahre lang. Ein beachtliches Pensum an Seelsorge, Organisation und wahrscheinlich auch etlichen schwierigen Gesprächen, die nie auf einer Pressemitteilung stehen. So oder so, der neue Bezirksapostel steht jetzt vor all den Fragen einer globalen Kirche: Werte, Spendenpraxis, internationale Vernetzung. Auch interessant: Eine Seite des Ganzen bleibt schweizerisch – der Verein „Neuapostolische Kirche International“, in dem Rheinberger mittlerweile Finanzvorstand ist, ist nach Schweizer Recht organisiert. Eine eigenwillige Konstruktion, wie gemacht für den Flickenteppich der Kirchenlandschaft.

Martin Rheinberger ist nun offiziell Leiter der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und damit Nachfolger von Michael Ehrich, der dem Amt nach dem Erreichen der Altersgrenze den Rücken kehrt. Die Kirche zählt in Süddeutschland um die 100.000 Gläubige, international sogar über neun Millionen, und betreut Gemeinden in Osteuropa, Asien und Afrika. Rheinberger bringt vielfältige Erfahrungen sowohl als Kirchenmann als auch aus der Wirtschaft mit, während die Neuapostolische Kirche weiterhin parteipolitisch neutral, bibelorientiert und durch Ehrenamtler geprägt bleibt. Ergänzung durch weitere Recherche: Die Neuapostolische Kirche erlebt aktuell weltweit einen leisen Transformationsprozess, der sich in der Öffnung gegenüber gesellschaftlichen Fragen wie Inklusion und Digitalisierung zeigt. Insbesondere in Deutschland bemüht sich die Kirche in letzter Zeit um Transparenz und dialogorientierte Glaubensvermittlung, wie mehrere Presseäußerungen nahelegen. Die Verantwortung süddeutscher Führungspersönlichkeiten reicht zunehmend in globale Netzwerke – das wird besonders durch die internationale Vorstandstätigkeit Rheinbergers deutlich. Weitere bemerkenswerte Aspekte: In Medienberichten taucht immer wieder die Frage auf, wie religiöse Verbände mit rückläufigen Mitgliederzahlen und Vertrauensverlusten umgehen. Die Neuapostolische Kirche bleibt bei zentralen Prinzipien – sie verzichtet weiterhin auf staatliche Kirchensteuer und setzt auf das finanzielle Engagement der Mitglieder. Der Wandel durch fortschreitende Modernisierung, etwa im digitalen Gemeindeleben, wird sowohl als Chance als auch mit einer Portion Skepsis betrachtet.

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