Wenn man Jürgen Hardt von der CDU zuhört, klingen die transatlantischen Beziehungen derzeit wie eine brüchige Brücke, die unter Donnerschlägen erzittert. Im Gespräch mit der 'Welt' äußerte der außenpolitische Sprecher offen Sorge: Trump schiebe den USA die eigenen Fehler in die Schuhe und suche sich Europa gerne als Blitzableiter aus. Diese einseitige Agenda stößt Union und SPD gleichermaßen sauer auf. Hardt meint, Europa müsse mit einer eigenen, konstruktiven Agenda antworten – die Bereiche wie Cybersicherheit, Kriminalitätsbekämpfung und geopolitische Interessen in anderen Weltregionen umfasst. Schon klar: Den Nutzen der Verbindung will man betonen, nicht nur die Lasten.
In diese Richtung argumentiert auch Thomas Erndl von der CSU: Der geplante Truppenabzug zwinge Europa, die Konsequenzen nüchtern zu prüfen – Deutschland sehe sich einer besonderen Verantwortung gegenüber, weil es die stärkste konventionelle Armee Europas aufbauen wolle. Schneller Personalzuwachs und neue Fähigkeiten werden angemahnt, dazu ein Aktionsplan für die Bundeswehr bis 2029.
Die SPD, vertreten durch Siemtje Möller, blickt etwas wehmütig zurück und sieht die enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa als einen Schlüssel zu Wohlstand und Frieden – seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch Möller wirft Trump vor, mit seiner sprunghaften Politik die Sicherheit ganzer Kontinente aufs Spiel zu setzen. Für die SPD steht fest: Die Sicherheit Europas ist bitte sehr auch im Interesse der USA. Sollte Trump tatsächlich auch die Stationierung von Mittelstreckenwaffen zurücknehmen, fordert Möller direkte Gespräche mit Frankreich und Großbritannien – wie im alten E3-Format.
Apropos andere Stimmen: Die AfD pflaumt gegen Trumps Iran-Politik und mahnt an, Kritik sachlich und nicht mit Empörung vorzutragen. Die Lücke bei den Waffen, die durch einen Abzug entstehe, sei zwar nicht harmlos, aber auch nicht der Untergang für die Abschreckung der Nato. Im Ernstfall bliebe die Option, Waffensysteme aus den USA nach Europa zu holen – mit Verzögerung, aber machbar.
Die Linke wiederum sieht in Trumps Ankündigung vor allem ein durchschaubares Manöver, um Druck auf Europa in Sachen Iran auszuüben. Sie empfiehlt Deutschland, endlich die einseitigen Abhängigkeiten zu lösen und sich neuen globalen Partnerschaften zuzuwenden. Für Ulrich Thoden ist Trumps Politik chaotisch genug, um amerikanische Truppen in Europa eher als Risiko denn als Schutz zu begreifen. Und: Die Nicht-Stationierung von Raketen sei eine willkommene Gelegenheit für Abrüstung statt für neues Wettrüsten.
Union und SPD kritisieren Trumps Entscheidung, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen, als Schlag gegen das transatlantische Verhältnis und warnen vor einer Schwächung europäischer Sicherheit. CDU und CSU fordern mehr Verantwortung von Deutschland, etwa durch den Ausbau der Bundeswehr, während die SPD das transatlantische Bündnis betont und bei weiteren Trumpschen Rückzügen neue europäische Militärpläne ins Gespräch bringt. AfD und Linke bringen alternative Perspektiven: Die AfD fordert pragmatische Lösungen im Verteidigungsbereich und kritisiert US-Aktionen im Nahen Osten, die Linke sieht den Abzug als Signal für größere Unabhängigkeit Europas und stellt Trumps motivationsgetriebenes Auftreten in Frage.
Weitere Details: In aktuellen Berichten verschiedenster Publikationen wie der "Süddeutschen Zeitung" und der "FAZ" wird deutlich, dass die US-amerikanische Regierung den Truppenabzug strategisch als Druckmittel gegenüber Verbündeten einsetzt, etwa im Streit um Verteidigungsausgaben und energiepolitische Abhängigkeiten Europas. Viele Experten betonen, dass ein tatsächlicher Truppenabzug eine komplizierte logistische und sicherheitspolitische Aufgabe mit alternden Infrastrukturen und jahrelangen Vorlaufzeiten wäre; zudem mehren sich die Warnungen vor einer Destabilisierung der NATO. Unterdessen werden in Brüssel wie auch in Paris und Berlin neue Initiativen diskutiert, um die europäische Verteidigungskraft unabhängiger von Washington aufzustellen und Perspektiven wie den Ausbau gemeinsamer Rüstungsprojekte und eine gestärkte EU-Sicherheitspolitik voranzubringen.