Orszag hat selbst einen bemerkenswerten Werdegang: Zunächst in Washington etabliert, war er Berater im Weißen Haus von sowohl Barack Obama als auch Bill Clinton. Seine Wechselgedanken in die Finanzwelt kamen offenbar auch aus der Faszination für den Einfluss von Politik auf globale Wirtschaftsdynamiken. Skeptisch äußert er sich im Rückblick über Donald Trumps Wirtschaftspolitik – vor allem über die direkte Einflussnahme der US-Regierung auf bestimmte Großunternehmen. Das Prinzip des "diskretionären Staatskapitalismus", wie Orszag es nennt, halte er für riskant: Es eröffnet Türen für Lobbyismus und willkürliche Begünstigung, insbesondere, wenn politische und wirtschaftliche Kontrollinstanzen abgeschwächt werden. Obwohl er einräumt, dass nicht alle Checks and Balances verschwunden seien, sieht er darin eine Warnung – und eine Mahnung an Europa, gut abzuwägen, mit wem es sich strategisch verbinden will. Ganz ehrlich: Die perfekte Blaupause für die Zukunft hat mal wieder niemand in der Tasche.
Peter Orszag, der Chef der US-Investmentbank Lazard, rät Europa auf Basis seiner Insider-Erfahrungen zu mehr strategischer Eigenständigkeit und warnt gleichzeitig vor demokratiegefährdenden Tendenzen durch zu starken Staatskapitalismus, wie er zuletzt unter Donald Trump in den USA beobachtet wurde. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen – etwa Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA, aber auch Russlands erneute politische Aggressivität – erhöhen den Druck auf Europa, nicht nur als wirtschaftliche, sondern auch als politische Kraft eigenständig aufzutreten und vielleicht auch neue, ungewohnte Bündnisse zu prüfen. Neuere Berichte etwa aus dem Handelsblatt, der Süddeutschen Zeitung und der FAZ bestätigen die Sorge vor einem Abdriften Europas ins geopolitische Abseits und betonen, dass die EU ihre Resilienz gegenüber amerikanischen Volatilitäten dringend stärken sollte. Eine interessante Ergänzung: In den letzten 48 Stunden diskutieren mehrere Medien, wie Europas strategische Autonomie im Angesicht potenzieller US-Wahlergebnisse und Chinas globalen Einflusses bald keine Option, sondern eine Notwendigkeit wird.