Kinder zwischen Front und Finanzierungsstopp: Humanitäre Lage in der Ukraine nach US-Hilfekürzung

Mitten im fünften Winter des Krieges ächzt die Ukraine unter zerstörerischen Angriffen und dem Einbruch der Unterstützung aus den USA. Für Familien, vor allem Kinder, die ohnehin schon alles riskieren oder verloren haben, verschärft sich die Situation dramatisch. Fehlende Energie, zerstörte Infrastrukturen und der Rückgang humanitärer Hilfe – all das trifft die Schwächsten zuerst. Die Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine schlagen Alarm: ´Wenn Förderquellen versiegen, verlieren Kinder ihren Schutzraum.´

heute 12:51 Uhr | 2 mal gelesen

Man könnte fast meinen, in der Ukraine sei das Leid zur täglichen Routine geworden. Doch die Auswirkungen der US-Förderkürzungen stellen selbst die gestandenen nationalen Hilfsorganisationen vor nie dagewesene Herausforderungen. Bis vor kurzem kamen Milliarden an Dollar für den Wiederaufbau und die Sozialarbeit. Ganze 12,7 Millionen Menschen waren laut UN auf Unterstützung angewiesen, etwa ein Sechstel des Landes – ein Wert, der mehr ist als eine kalte Zahl, wenn man Gesichter und Geschichten dahinter kennt. Schutzräume für Kinder werden geschlossen, mobile Teams verschwinden – und damit auch die winzigen Freiräume für Kindheit mitten im Chaos. Einfache Aufenthaltsorte werden so rasch wieder zu verlassenen Ruinen. Besonders erschüttert: Der Kampf gegen Zwangsdeportationen ukrainischer Kinder stockt. Nach Schätzungen sind Hunderttausende bedroht, Zehntausende schon entführt oder illegal adoptiert worden. Das entsprechende Kinderschutzprojekt musste mangels Finanzierungsbasis eingestellt werden. Diese Initiative war für viele Familien ein Rettungsanker, half beim Verstehen der eigenen Rechte und bei der Suche nach verschwundenen Kindern. Während die SOS-Kinderdörfer etwas robuster dastehen, verlieren andere Organisationen binnen kurzer Zeit einen Großteil ihrer Budgets – mit Folgen, die sich kaum beziffern lassen. Und zugleich: Die Ukraine ist nun noch stärker an Geld aus Europa und anderen Partnern gebunden – was das Risiko von Abhängigkeiten und Korruption erhöht. Es ist, als würde ein schützendes Netz gezogen, das plötzlich reißt und Familien sowie Helfer ins Bodenlose fallen lässt.

Die Lage für ukrainische Kinder verschlechtert sich drastisch, seitdem zentrale US-amerikanische Finanzierungsquellen für humanitäre Hilfen versiegen. Dies betrifft nicht nur unmittelbare Lebensretter wie Notunterkünfte und Schutzräume, sondern auch präventive Projekte, etwa gegen Zwangsadoptionen oder die Indoktrination ukrainischer Kinder durch russische Besatzungsbehörden. Seriöse Medien wie die Süddeutsche Zeitung berichten aktuell, dass im Schatten internationaler Debatten um Waffenlieferungen viele Hilfsprojekte in Vergessenheit geraten und eine Welle von Spendenaktionen und öffentlichen Appellen läuft, um mindestens die Basisversorgung abzusichern (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die DW hebt hervor, dass im Westen der Ukraine viele Binnenflüchtlinge ihre Heimat auf lange Sicht nicht verlassen möchten und dass ein Mangel an psychologischer Betreuung für Kinder langfristige Folgen erwartet werden muss (Quelle: DW). Die taz weist zudem darauf hin, dass der Streit über Transparenz und Korruption in der Verwaltung internationaler Hilfsgelder weitergeht und einige Experten politische Vorbedingungen für Hilfszahlungen fordern (Quelle: taz).

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