Ifo: Immer mehr Unternehmen wollen Preise anheben

Die Preispläne deutscher Firmen schießen kräftig nach oben – stärker als seit über einem Jahr.

heute 14:42 Uhr | 5 mal gelesen

Ich muss gestehen, ein bisschen überrascht bin ich schon: Laut aktuellen Zahlen des Ifo-Instituts schrauben zunehmend mehr Unternehmen in Deutschland an ihren Preiserwartungen. Der entsprechende Index ist im April spürbar auf 31,6 Punkte gestiegen – noch im März lag er bei 25,5. Den letzten derart hohen Wert gab es wohl zuletzt im Januar 2023. Offensichtlich sind der Nahe-Osten-Konflikt und die Aufschläge bei Energiepreisen spürbar – Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser bringt es auf den Punkt: Die Firmen, besonders in energieintensiven Branchen wie der Chemie, leiten die Kostensteigerungen an die Kundschaft weiter. In diesen Sektoren – nehmen wir die Chemie als Beispiel – explodieren die Preiserwartungen förmlich (31,8 auf satte 61,7 Punkte!). Wenig Veränderung gab’s dagegen in Segmenten, die weniger Energie verschlingen. Im Handel, in der Gastronomie oder bei anderen konsumnahen Dienstleistungen ist der Trend allerdings klar: Auch hier klettern die Indikatoren – zum Teil recht scharf. Wie so oft: Es sind am Ende wohl die Verbraucher, auf deren Schultern die steigenden Kosten lasten. Übrigens: Bei klassischen Unternehmensdienstleistern (Architekten, Beratungen usw.) bleibt alles halb so wild. Dort ist der Anstieg eher lauwarm – manche Beratungsfirmen sehen laut Ifo sogar einen Rückgang ihrer Preiserwartungen. Für Irritation sorgt bei mir ein bisschen die Tatsache, dass das Ifo-Institut zwar fragt, ob Firmen Preise anpassen wollen – aber nicht, wie stark diese Änderungen ausfallen könnten. Ein bisschen ungenau, aber wohl branchenüblich.

Das Ifo-Institut meldet für April 2024 einen starken Anstieg der Preiserwartungen deutscher Unternehmen: Besonders in energieintensiven Branchen und im Konsumsektor sind deutliche Preisanstiege zu erwarten, wohingegen Dienstleistungen für Unternehmen nur moderate Veränderungen vorweisen. Wirtschaftsforscher führen diese Entwicklung unter anderem auf die unsichere Weltlage, etwa im Nahen Osten, und die damit verbundenen höheren Energiepreise zurück. Experten warnen, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten wohl wieder über drei Prozent steigen könnte. Nach weiteren Recherchen zeigen aktuelle Medienberichte, dass die Unternehmen nicht nur Energiekosten, sondern auch insgesamt gestiegene Einstandspreise sowie Lohnforderungen an die Kunden weitergeben – eine Entwicklung, die sich quer durch den Einzelhandel, die Industrie und die Gastronomie zieht. Die Unsicherheit bleibt, ob diese Preissteigerungen langfristig durchsetzbar sind oder sich ein Gewöhnungseffekt bei den Kunden einstellt. Gleichzeitig nehmen die politischen Debatten über mögliche Maßnahmen zu, die die Nettobelastung für Endverbraucher abmildern könnten.

Schlagwort aus diesem Artikel