Sport war für Stephan Scherzer schon immer mehr Lebenselixier als Zeitvertreib. Doch mit 12 Jahren, mitten im Fußballtraining, verändert ein harmloser Tritt gegen sein rechtes Knie die Koordinaten seiner Möglichkeiten – damals glaubte noch keiner so recht, dass aus dem blauen Fleck ein lebenslanger Begleiter werden würde. Doch das Fibulaköpfchen war getroffen, zu spät erkannt und der Nerv längst hinüber: Peroneusparese, also chronische Fußheberschwäche. 1976 bekam Stephan eine schwere, starre Schiene verpasst, „Heidelberger Winkel“ genannt. Eine Prognose, die wenig Hoffnung ließ – ein Leben ohne Sport, vielleicht irgendwann an Krücken. Aber Scherzer wollte das nicht akzeptieren: Schon als Teenager stieg er nach der OP in den Taekwondo ein, trainierte verbissen, wurde besser, bis zum dritten schwarzen Gürtel. Parallel dazu entdeckte er Bergtouren, Skifahren, ja sogar Extremschwimmen und Expeditionen für sich. Das alles trotz eines unübersehbaren Hinkens und jahrelangem, gymnastisch-muskelintensivem Ausbalancieren der Einschränkung. Mit Mitte 50 dann die nächste Grenze: Bei einer Gratwanderung machten sich die Hüften schmerzhaft bemerkbar, die Diagnose lautete fortgeschrittene Arthrose beidseits und ein Knochenriss. Diesmal war klar: Einfach „weitermachen“ war vorbei. In der Berliner Werkstatt von Paul Schulze Orthopädie & Bandagen landete Scherzer – und begann mit den Experten Menkel und Schildhauer eine wahre Entwicklungsodyssee. Die bisherigen Orthesen von der Stange halfen nicht, sie verursachten Druckstellen und passten nicht zu seinem aktiven Alltag. Also wurde kurzerhand eine innovative Orthese maßgeschneidert und erstmals mit 3D-Druck gefertigt – nach exakten Scans und diversen Prototypentests, die Scherzer auf Berg- und Alltagsstrecken ausprobierte, dokumentierte und so immer weiter optimierte. Nach bald einem Jahr, mit viel Geduld und gegenseitigem Lernen, entstand ein federleichtes, elastisches Unikat – dünne Fußschale, fest am Schienbein, kaum 130 Gramm schwer, aber hoch belastbar. Und es geht über das Technische hinaus: Auch Scherzers Muskulatur musste sich nach Jahrzehnten neu einstellen, das war schmerzhaft, aber die physiotherapeutische Begleitung zahlte sich aus. Heute ist der Sportler wieder unterwegs, ob beim steilen „Kilometre Vertical de Fully“ oder auf der Kanareninsel La Palma – mit sicherem Schritt und neuen Zielen, an denen der 3D-Druck einen Anteil hat. Mehr als eine technische Spielerei: Hier trifft individuelle Hightech-Fertigung auf Lebensfreude und echten Pioniergeist. Die OTWorld 2026 öffnet ihre Türen für Fachleute und Teams – Tickets und Rabatte gibt es bis März. Fachliche Träger und Ansprechpartner bleiben die bekannten Akteurinnen aus der Branche.
Stephan Scherzers Geschichte illustriert eindrucksvoll, wie innovative Orthopädie-Technik individuelle Grenzen verschieben kann – der Umstieg auf eine maßgefertigte 3D-gedruckte Orthese ermöglichte ihm trotz jahrzehntelanger Fußheberschwäche neue sportliche Höchstleistungen im Alltag wie in Extremsituationen. Dabei waren nicht nur technisches Know-how und Durchhaltevermögen entscheidend, sondern auch die Fähigkeit zur gemeinsamen, interdisziplinären Problemlösung zwischen Nutzer, Orthopädietechniker:innen und Entwickler:innen. Die OTWorld 2026 setzt genau hier an und will den Austausch zwischen Handwerk, Wissenschaft und Patientenerfahrung weiter befördern. – Aktualisierung aus der Recherche: In den letzten beiden Tagen berichten mehrere Quellen, dass sich der Trend zu individuell gedruckten Orthesen und Prothesen in Deutschland deutlich verstärkt hat. Neben der höheren Alltagsfunktionalität stehen mittlerweile auch ökologische Aspekte im Fokus, denn additive Fertigung reduziert Materialabfall und eröffnet Möglichkeiten zur Wiederverwertung spezieller Kunststoffe. Diskutiert wird außerdem, wie durch 3D-Druck Unikate schneller und patientenspezifischer entstehen, während digitale Mess- und Anpassungsverfahren zu präziseren, komfortableren und auch ästhetisch ansprechenderen Lösungen führen.