Hanau-Überlebender Said Etris Hashemi zu Gast bei 'Deutschland3000': Nach dem Attentat – Fragen, Wut, Haltung
Hamburg – Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau sitzt Said Etris Hashemi, der selbst schwer verletzt überlebte und seinen Bruder verlor, im Podcast 'Deutschland3000' mit Eva Schulz. Es sind Wochen vergangen seit dem Tod eines weiteren Überlebenden infolge seiner Verletzungen. In einem offenen Gespräch schildert Hashemi, was bleibt: Trauer, Zweifel – und sein Engagement.
heute 12:01 Uhr | 2 mal gelesen
Hashemi berichtet im Podcast eindringlich von der Nacht, die alles veränderte. Seine Schilderungen machen fassungslos: Während er schwer verletzt war, musste er teils die Polizei beruhigen, anstatt selbst Hilfe zu erhalten. Besonders schmerzhaft sind für ihn die Themen, bei denen er selbst nach Jahren keine Antworten bekommt: Wie konnte es sein, dass der einzige Ausweg blockiert war? Und wie erklärt sich, dass zentrale Aussagen über die verschlossene Notausgangstür aus den Akten verschwunden sind? 'Ein Jahr später habe ich da reingeschaut – meine Angaben waren einfach weg', so Hashemi. Trotz allem hat Hashemi nicht resigniert. Er hat die 'Initiative 19. Februar Hanau' gegründet und setzt sich weiter für Aufklärung ein. Zu oft gehe es in öffentlichen Debatten nicht um die Erfahrungen der Betroffenen, sondern über deren Köpfe hinweg. Er prangert an: 'Warum redet man eigentlich so oft über Migranten, aber so selten mit ihnen?' Die Podcast-Folge ist in der ARD Audiothek und auf den bekannten Podcast-Plattformen zu hören.
Im Gespräch mit Eva Schulz wird die tiefe Verunsicherung und Frustration deutlich, die Etris Hashemi nach dem Überleben des Hanauer Attentats prägt. Vieles am Ablauf der Ereignisse – von der Polizeiarbeit bis zur späteren Aktenlage – bleibt für ihn unverständlich und fordert eine stärkere, ehrlichere Aufarbeitung von Behörden und Gesellschaft. Hashemi engagiert sich seither politisch, um den Opfern von Hanau einen Sinn zu geben und strukturelle Veränderungen einzufordern, betont aber zugleich, wie schwer es bisher ist, mit Behörden und Politik auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Recherchiert man dazu, zeigt sich folgendes aktuelles Bild: Seit der Tat vor sechs Jahren gibt es vermehrt Kritik an den Ermittlungen und deren Lücken, gerade seit drei Jahren sind die Angehörigen öffentlich sehr präsent, um Aufklärung einzufordern [FAZ]. Die Debatte über Rechtsextremismus hat nach dem Anschlag neue Impulse erhalten, gleichzeitig werden mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und strukturelle Probleme bei Polizei und Behörden teils nur langsam aufgearbeitet [Tagesschau, Der Spiegel]. Neuere Stimmen fordern, insbesondere die institutionellen Versäumnisse rund um Hanau verstärkt aufzuarbeiten und Betroffene konsequent in politische Prozesse einzubinden [taz].