Industrieabwärme heizt Düsseldorfer Süden: Stadtwerke und Henkel starten Nachhaltigkeitsprojekt

Düsseldorf – Im Düsseldorfer Süden läuft ab sofort ein bundesweit einzigartiges Energiekonzept: Statt Wärme zu verschwenden, nutzt die Stadt industriellen Überschuss für klimafreundliche Fernwärme.

14.04.26 12:22 Uhr | 24 mal gelesen

Manchmal beginnt Nachhaltigkeit mit einem ganz pragmatischen Gedanken: Warum sollte Energie eigentlich verloren gehen? Genau daran knüpfen Stadtwerke Düsseldorf und Henkel jetzt an – mit ihrer neuen Energiezentrale, die auf dem Werksgelände von Henkel ihren Dienst aufgenommen hat. Es klingt vielleicht gewöhnlich, ist für Düsseldorf aber richtungsweisend: Hier wird zum ersten Mal industrielle Abwärme so verarbeitet, dass tausende Haushalte im Süden der Stadt warm durch den Winter kommen, und das ganz ohne Extraverbrauch fossiler Quellen. Bei der offiziellen Eröffnung gaben sich Polit-Promis, Manager*innen und Projektbeteiligte die Klinke in die Hand – unter anderem Mona Neubaur, NRW-Ministerin für Wirtschaft und Klimaschutz, die im Abwärme-Projekt eine Art Blaupause für die Energiezukunft sieht. Henkel-CEO Carsten Knobel sprach von einer Partnerschaft, die 'mehr Energie' freisetze, als viele zunächst glaubten. Die technische Seite: Ein 51 Meter hoher Stahlschornstein, viel Anlage-Hightech, ein neuer Fernwärmekanal quer durch Holthausen und Benrath. Die Idee ist simpel – Reste aus den Produktionsprozessen von Henkel werden so nutzbar gemacht, dass sie direkt ins Fernwärmenetz speisen. Falls nötig, gibt’s zusätzliche Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung. Ergebnis laut Betreiber: Beim Erdgas wird ordentlich eingespart, CO2-Emissionen sinken um etwa 6.500 Tonnen pro Jahr. Die Stadtwerke betonen, wie wertvoll solche Kooperationsmodelle in unsicheren Zeiten sind – Stichwort Versorgungssicherheit und weniger Import-Abhängigkeit. Übrigens: Auch der Oberbürgermeister sparte beim Festakt nicht mit Lob. Nicht jedes Projekt bekommt so viel Rückenwind von Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Vor allem ist dieses Fernwärme-Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne eben doch unter ein Dach passen. Ein oft überstrapaziertes Wort – aber hier wohl angebracht: Pionierarbeit. Henkel selbst, einer der weltweit Großen bei Konsumgütern und Klebstoffen, feiert mit dem Projekt auch gleich 150 Jahre Firmengeschichte. Ganz uneigennützig ist das alles zwar nicht – schließlich stärkt ein nachhaltiger Standort auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit – aber für Düsseldorf bietet der Technologie-Sprung eben auch: weniger CO2, sichere Versorgung, Nachbarschaft auf der Höhe der Zeit. Noch ein Satz zum Unternehmen Stadtwerke Düsseldorf: Die liefern nicht nur seit über 160 Jahren Strom und Wasser, sondern mischen auch vorne mit, wenn es um E-Mobilität oder nachhaltige Stadtentwicklung geht. Über 600.000 Menschen in und um Düsseldorf profitieren vom Angebot – und, was oft vergessen wird: Von den Stadtwerken profitieren nicht nur Kund*innen, sondern auch viele lokale Vereine, Initiativen und Ausbildungsbetriebe.

Das neue Abwärmeprojekt der Stadtwerke Düsseldorf und Henkel setzt bundesweit Maßstäbe: Durch die intelligente Nutzung von industrieller Abwärme können jährlich etwa 6.500 Tonnen CO2 eingespart werden; eine 3,6 Kilometer lange Leitung transportiert die Wärme von Henkels Produktionsstandort direkt in die Haushalte und macht den Süden Düsseldorfs unabhängiger von fossilen Energieträgern. Die Initiative ist ein Musterbeispiel für sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Industrie, Versorgungsunternehmen und Politik – und könnte laut aktuellen Brancheneinschätzungen (z. B. Bundesverband der Deutschen Energiewirtschaft) als Modell auch für andere Städte dienen. Zuletzt rückten auch andere Kommunen – etwa Hamburg und Frankfurt – die Nutzung industrieller Restwärme als zentrale Komponente ihrer Dekarbonisierungsstrategien ins Rampenlicht; das Düsseldorfer Beispiel wird nun bundesweit genau beobachtet, wobei Experten auch auf die Herausforderungen hinsichtlich Infrastruktur und langfristiger Verlässlichkeit solcher Wärmequellen hinweisen.

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