Es gibt Zahlen, die lassen einen kurz innehalten: Während Staatskassen und Unternehmen 220 Milliarden US-Dollar für den Erhalt Lebensraums und Artenvielfalt locker machten, pumpten sie im selben Jahr unfassbare 7,3 Billionen Dollar in Projekte, die der Natur das Leben schwer machen. So steht es im neuen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES), an dem fast 80 Wissenschaftler aus aller Welt drei Jahre lang gearbeitet haben. Zwei Drittel dieser zerstörerischen Mittel stammen – wenig überraschend, aber immer wieder erschütternd – aus privaten Unternehmen, während ein weiteres Drittel als staatliche, umweltschädliche Subventionen daherkommt.
IPBES ist übrigens sowas wie der große Bruder des Klimarates, nur eben im Feld Biodiversität, falls das nicht jedem ein Begriff ist. Die Kernaussage: Wirtschaft ohne Natur ist wie Atmen ohne Luft. Dennoch verharren viele Unternehmen in alten Denkmustern, getrieben von kurzfristigen Zielen und scheinbar unerschütterlichen Marktlogiken – mit Risiken, die selbst das solideste Geschäftskonzept ins Wanken bringen könnten. Kooperationen, innovative Wege, ja, manchmal einfach ein gemeinsames Denken könnten laut Bericht zur Lösung beitragen.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer liefern Stimmen aus der Politik: Bundesumweltminister Carsten Schneider mahnt, Unternehmen hätten nicht nur eine Verantwortung, sondern ein Eigeninteresse, die Grundlage ihres Wirtschaftens, also die Natur, zu schützen. Und die Forschungsministerin Dorothee Bär betont den Schulterschluss von Forschung und Wirtschaft – beides brauche es, um die Artenvielfalt zu sichern.
Die Zahlen machen wenig Hoffnung: Etwa eine Million Arten schweben derzeit am Abgrund, das Tempo ihres Verschwindens ist um ein Vielfaches höher als irgendwann in den letzten zehn Millionen Jahren. Alles, was uns erhält – Wasser, Nahrung, Medizin – verdanken wir intakten Ökosystemen. Und, vielleicht als nüchterne Pointe: Die größte Gefahr sind wir selbst – unsere Art zu leben, zu wirtschaften, und die Perfektion, mit der wir Übergänge zwischen Gewinn und Verlust, Haben und Sein verwischen.
Im Mittelpunkt des IPBES-Berichts steht die Diskrepanz zwischen Investitionen in den Naturschutz und weit höheren Ausgaben, die Naturzerstörung fördern. Er mahnt, dass Unternehmen ihre geschäftliche Grundlage untergraben, wenn sie Biodiversität als unerschöpfliches Gut betrachten. Aktuelle Nachrichten bestätigen, dass insbesondere in Deutschland die politische Debatte über naturverträgliches Wirtschaften Fahrt aufnimmt: Das Bundesumweltministerium arbeitet an neuen Anreizsystemen für Unternehmen, etwa steuerliche Vorteile für Biodiversitätsmaßnahmen sowie strengere Transparenzpflichten bezüglich Umweltwirkungen. In der globalen Perspektive betonen Experten in jüngsten Berichten, dass Kooperationen entlang ganzer Lieferketten notwendig werden, um systemisch gegen das Artensterben vorzugehen. Wissenschaftliche Forschungsinitiativen – von Satellitenüberwachung bis KI-gestützten Biodiversitätsanalysen – werden mehr und mehr als Hoffnungsschimmer betrachtet, weil sie Risiken frühzeitig erkennbar machen. Im Fazit ist klar: Ohne grundlegende Richtungsänderung – und zwar international abgestimmt – bleibt die Zukunft nicht nur vieler Arten, sondern letztlich auch der Unternehmen selbst auf der Kippe.