Man kann nie mit Sicherheit sagen, wohin die geopolitischen Winde drehen. Deshalb, so Premierministerin Inga Ruginiene im Gespräch mit der 'Welt am Sonntag', müsse Europas oberste Aufgabe sein, sich selbst widerstandsfähiger zu machen – und zwar jetzt, nicht erst im Nachhinein. Litauen setzt dabei ganz bewusst auf Abschreckung, aber auch auf ein robustes Eigenkonzept. 'Ich hoffe weiterhin, dass US-Truppen bei uns stationiert bleiben und die NATO als Fundament unserer Sicherheit dient', betont Ruginiene. Gleichzeitig betont sie eine unbequeme Wahrheit: 'Wir müssen alles geben, um die NATO zu erhalten, aber ebenso viel Energie darauf verwenden, die Europäische Union sicherheitspolitisch aufzurüsten.' Für den Fall, dass sich die USA aus ihrer Rolle zurückziehen oder zögerlich reagieren, müsse Europa selbst 'handlungsfähig und verantwortlich' sein.
Praktisch bereitet Litauen sich bereits darauf vor, einen Angriff zumindest kurzfristig allein zu managen: Auch wenn der berühmte Artikel 5 gilt, rechnet Ruginiene damit, dass ihr Land im Ernstfall zunächst auf sich allein gestellt wäre. 'Dann müssen wir die Lage stabilisieren – bis Hilfe eintrifft. Deshalb ist die Bereitschaft europäischer Kräfte so essentiell: Ein Angriff auf uns ist ein Angriff auf Europa.'
Zunehmend sieht sich Litauen zudem hybriden Taktiken aus Belarus und Russland ausgesetzt – etwa durch gezielt ins Land gelenkte Ballons, die sowohl Schmuggelware als auch Provokation transportieren. 'Solche Mischangriffe, die irgendwo zwischen Schmuggel und gezielter Attacke oszillieren, sind für unser Land aktuell die ernsthaftesten Herausforderungen.' Alles, was aus ihrem Osten kommt, betrachtet die Premierministerin als sicherheitspolitisches Thema ersten Ranges.
Litauen warnt laut Premierministerin Inga Ruginiene davor, sich zu sehr auf die transatlantische Sicherheitsgarantie zu verlassen, und fordert eine widerstandsfähigere und handlungsfähige Europäische Union. Das Land sieht sich angesichts hybrid geführter Provokationen aus Belarus und Russland – von Grenzverletzungen bis hin zu Ballonattacken – regelmäßig akuten Bedrohungen ausgesetzt. Die Regierung betont, im Notfall zumindest temporär allein verteidigen zu können, sieht aber insbesondere die Präsenz weiterer europäischer Truppen als entscheidend, damit ein Angriff auf Litauen sofort als Angriff auf die EU zu verstehen ist.
Neue Entwicklungen zeigen, dass sich auch andere osteuropäische Staaten zunehmend unabhängig innerhalb der EU wappnen: So verstärken Polen und Estland aktuell ihre militärische Infrastruktur (Quellen: [Spiegel.de](https://www.spiegel.de), [Sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de)). In umfassenden Analysen in taz und Zeit wird verdeutlicht, wie sehr sich die Sicherheitslage an den östlichen EU-Grenzen zuspitzt und Pragmatismus in der europäischen Verteidigungsstrategie einkehrt, etwa durch gemeinsame Übungen und verstärkte Koordination der Nachrichtendienste (Quellen: [taz.de](https://www.taz.de), [Zeit.de](https://www.zeit.de)). Experten sind sich einig, dass echte europäische Handlungsfähigkeit vor allem Bürokratiewiderstände und nationale Eifersüchteleien überwinden muss (Quelle: [FAZ.net](https://www.faz.net)).