Jeder fünfte Selbstständige fürchtet um seine wirtschaftliche Zukunft

Rund 20 Prozent der Selbstständigen in Deutschland sehen ihre wirtschaftliche Existenz derzeit gefährdet.

heute 07:59 Uhr | 3 mal gelesen

Erstaunlich, aber gleichzeitig auch beunruhigend: Nach aktuellen Zahlen des Münchner Ifo-Instituts empfinden mehr als jeder fünfte Selbstständige existentielle Sorgen. Genauer gesagt: 20,6 Prozent fürchten, dass ihr Geschäft den nächsten Monaten nicht standhalten könnte – bemerkenswert höher als der Durchschnitt der Wirtschaft, der im April lediglich bei 8,1 Prozent lag. Was ist da los? Laut Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber trifft die Mischung aus schwindenden Aufträgen und permanenter Unsicherheit die kleinen Gewerbe am stärksten. Im April klagten knapp 48,4 Prozent der befragten Selbständigen über zu wenige Aufträge – ein Anstieg im Vergleich zum Januar. Und vor allem die besonders kleinen Akteure – Soloselbstständige und Kleinunternehmen – hat es noch härter getroffen als den Rest der Wirtschaft, wo 39 Prozent von Auftragseinbußen berichten. Beim sog. Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex geht es ebenfalls steil abwärts: Von minus 20,8 Punkten im März auf fast minus 30 im April – nie war das Stimmungsbild düsterer. Erwartungen stürzen weiter ab, und die Einschätzung zur aktuellen Lage ist selten so negativ ausgefallen. Interessanter, aber auch alarmierender Nebenaspekt: Schon fast 39 Prozent der Selbstständigen können kaum noch einschätzen, wie es für sie überhaupt weitergeht. Die Ungewissheit frisst sich in den Alltag – und ehrlich gesagt, ein Patentrezept ist gerade nicht in Sicht.

Die finanzielle Lage vieler Selbstständiger spitzt sich weiter zu – das Ifo-Institut meldet eine wachsende Unsicherheit und drohende Existenzgefahr unter Kleinunternehmern. Die Gründe: Schwächelnde Auftragseingänge und eine konstante Unsicherheit, die jede Planung erschwert. Neue Zahlen belegen zudem: Die Stimmungslage in diesem Sektor ist historisch schlecht, und etwa zwei Fünftel der Betroffenen haben mittlerweile größere Schwierigkeiten, ihre geschäftliche Perspektive einzuschätzen. Aktuelle Informationen aus weiteren Quellen belegen diesen Trend: Die 'FAZ' berichtet beispielsweise von zusätzlichen Belastungen durch erhöhte Energiepreise und Bürokratielasten. 'Spiegel Online' verweist darauf, dass vor allem die Digitalisierungslücken kleine Betriebe besonders anfällig machen – insbesondere wenn neue Kunden ausgeblieben sind. Darüber hinaus hebt die 'Süddeutsche Zeitung' hervor, dass viele Selbstständige eine finanzielle Reserve aufzehren oder bereits aufgeben mussten, insbesondere in Pandemie-nahen Branchen wie Gastronomie, Kultur und Dienstleistungen.

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