Ein Vierteljahrhundert Friedenspreis – das ist schon eine gewisse Hausnummer. Über 70 Mal wurden Filmschaffende ausgezeichnet, für Werke, die oft mehr Fragen aufwerfen als einfache Antworten geben und bewusst gegen den Strich bürsten. Am 23. Juni wird in München ohnehin wieder gefeiert – und zwar nicht leise.
Lebende Legende: Edgar Reitz bekommt den Ehrenpreis
Dieses Jahr steht Edgar Reitz im Rampenlicht: Urgestein des Neuen Deutschen Films, Mitstreiter beim Oberhausener Manifest, mit seinem bahnbrechenden ‘Heimat’-Epos hat er nicht nur Kinogeschichten, sondern auch kollektive Erinnerungen geschrieben. Die Jury lobt ihn als jemanden, dessen Werk ‚die Zeit überdauert‘, manchmal unbequem, fast immer berührend – und jedenfalls einzigartig.
Nationale Brücke: Ilker Çatak für „Gelbe Briefe“
Ilker Çatak thematisiert in seinem Film die schleichende Gefahr autoritärer Systeme – und lässt den Terror ins Privateste vordringen. In „Gelbe Briefe“ zersetzt das Misstrauen alles: Beziehungen, Loyalitäten, ja sogar das Selbstbild der Beteiligten. Diese Beklemmung bringt er, so die Jury, fast schmerzhaft nah – und erhält zurecht den mit 7.500 Euro dotierten Nationalpreis.
International ausgezeichnet: Cherien Dabis und ihr Blick auf Heimat & Verlust
In „Im Schatten des Orangenbaums“ folgt Dabis den Spuren ihrer eigenen Familie durchs Westjordanland, von der Nakba bis ins Heute. Statt lauter Anklage wählt sie leise Beharrlichkeit: Menschlichkeit hält dem Gegenwind stand – das ist ihre eigensinnige Botschaft. Der internationale Brücken-Preis, ebenfalls mit 7.500 Euro ausgestattet, ehrt einen Film voller Schmerz, aber auch widerständiger Zärtlichkeit.
Debütpreis an Daniela Magnani Hüller
Besonders bemerkenswert: Der Debütpreis geht erstmals an eine Doku. Daniela Magnani Hüller blickt in „Was an Empfindsamkeit bleibt“ radikal persönlich auf überlebte Gewalt und deren Nachwehen. Ihr Ansatz: Mehr Fragen, weniger Schuldzuweisungen – mit einer Verletzlichkeit, die gleichzeitig Stärke bedeutet.
Rund 450 Gäste, darunter Filmschaffende, Politiker und Kulturschaffende, werden erneut dabei sein. Die Veranstaltung lebt nicht zuletzt von buntem Wechselspiel: Musik kommt unter anderem von der Bayerischen Philharmonie und Münchens Rap- und Soul-Talent Gündalein. Als Gastgeberin führt Benita Sarah Bailey durch den Abend.
Wer die Gala verpasst, kann sie am 27. Juni auf 3sat sehen oder wenige Tage später in der Mediathek nachholen.
Bernhard Wickis Erbe – mehr als nur schöne Worte
Seit 2001 fördert der Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V. Projekte und Filme, die jenseits des Mainstreams für Zivilcourage werben. Besonders im Fokus: Jugendlichen Orientierung zu geben, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei.
Über die Auszeichnung
Der Friedenspreis setzt seit 2002 ein Zeichen – getragen von der Bayerischen Staatsregierung, Filmwirtschaftsverbänden und der Stadt München. Finanziell stemmen das neben der öffentlichen Hand auch weitere private Förderer. Mehr Details gibt’s auf der offiziellen Webseite: www.bernhardwicki.de
Pressekontakt (für Nachfragen und Akkreditierungen):
Stephanie Fischer, New Star Media
Mail: fischer@new-star-media.de
Tel: +49 173 3952585
Katrin Strauch, Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V.
Mail: katrin.strauch@bernhardwickigedaechtnisfonds.de
Tel: +49 176 21173100
Das Jubiläum des Friedenspreises des Deutschen Films markiert eine echte Institution der deutschen Filmlandschaft, die seit 2002 gesellschaftlich engagierte Werke auszeichnet. Edgar Reitz, bekannt als Chronist der Heimat und als Visionär des kritischen deutschen Films, erhält den Ehrenpreis für sein Lebenswerk, das oft ein unbequemer, aber reflektierter Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen ist. Die Preisträger 2026 stehen exemplarisch für einen internationalen, mutigen und diversen Dialog: Ilker Çatak hinterfragt das Zerbrechen privater Beziehungen unter politischem Druck, Cherien Dabis gibt palästinensischer Geschichte eine Stimme jenseits von Klischees, und erstmals erhält eine autobiografische Dokumentarfilmerin den Debütpreis. Aktuelle Recherche bestätigt die Bedeutung des Preises für das gesellschaftliche Selbstverständnis des deutschen Films und die Strahlkraft über die Branche hinaus. Die Berichterstattung auf Quelle: FAZ hebt besonders die kontroversen und politisch deutlichen Akzente der diesjährigen Auswahl hervor. Quelle: Zeit Online hebt in einem ausführlichen Hintergrund die gesellschaftliche Verantwortung des Filmschaffens im Kontext der Friedensidee hervor. Quelle: Süddeutsche Zeitung berichtet schwerpunktmäßig über die internationale und generationenübergreifende Vernetzung durch die ausgezeichneten Werke.