Jusos stellen Rentenpläne mit Lebensarbeitszeit in Frage

Die Jugendorganisation der SPD rechnet scharf mit den Rentenempfehlungen ab, speziell mit der Idee, das Rentenalter parallel zur Lebenserwartung anzuheben.

heute 01:02 Uhr | 3 mal gelesen

Juso-Chef Philipp Türmer lässt kein gutes Haar am aktuellen Vorschlag der Rentenkommission – für ihn trifft die automatische Erhöhung des Renteneintrittsalters anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung nun mal genau die Falschen. 'Soziale Gerechtigkeit sieht anders aus', sagte er sinngemäß in Richtung Kommission, denn auf dem Papier leben nicht alle Menschen gleich lange – gerade die, die schon früh in körperlich belastende Berufe einsteigen, zahlen drauf. Während Akademiker oft spät starten und länger leben, stehen Bauarbeiter oder Pfleger am Ende vor einer viel kürzeren Rente – trotz jahrzehntelanger Maloche. Paradox: Wer mit 18 im Blaumann anpackt, soll am Ende sogar noch länger ran als mancher, der später einsteigt. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren empfinden die Jusos als zusätzlich ungerechten Einschnitt. Stattdessen hätte Türmer sich gewünscht, das Eintrittsalter stärker an die individuelle Lebensarbeitszeit zu knüpfen – wer früher loslegt, sollte auch eher gehen dürfen. Er fordert die Regierung, besonders aber die SPD auf, diese Fragen von Fairness und Rentengerechtigkeit offen anzugehen, damit die harte physische Arbeit vieler junger Menschen endlich angemessen gewürdigt wird.

Die Jusos lehnen die geplante Koppelung des Rentenalters an die durchschnittliche Lebenserwartung entschieden ab, da sie vor allem jene Menschen benachteiligt, die jung ins Berufsleben eintreten und in körperlich anspruchsvollen Berufen arbeiten. Sie argumentieren, dass das neue Modell deren realen Lebensverläufen nicht gerecht wird, zumal Studien zeigen: Menschen mit geringerem Bildungsniveau und harten Arbeitsbedingungen haben nach wie vor eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. Die Forderung der Jusos nach einer Orientierung an der tatsächlichen Lebensarbeitszeit findet immer mehr Unterstützer, vor allem angesichts steigender sozialer Ungleichheit und der demografischen Herausforderungen, vor denen das Rentensystem steht. Das Thema sorgte in den vergangenen Tagen für breite Diskussion: Gewerkschaften und Sozialverbände warnen zunehmend vor einer sozialen Spaltung, wenn körperlich Arbeitende länger schuften müssten, während ökonomisch besser gestellte Gruppen profitieren – zudem herrscht in der Politik weiterhin Uneinigkeit, wie Generationengerechtigkeit und finanzielle Nachhaltigkeit sinnvoll zusammengeführt werden können.

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