Tokajew betonte die anhaltende Stärke der kasachischen Wirtschaft. Mit einem Wirtschaftswachstum von über sechs Prozent 2023 und einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von mehr als 15.000 US-Dollar hat Kasachstan Höchststände erreicht – ein Niveau, das in Zentralasien bislang Seltenheitswert hat. Dennoch, so Tokajew, zählt am meisten der tiefgreifende Wandel der Strukturen und Mentalitäten. Für ihn steht fest: Die eingeleiteten Reformen in Politik und Wirtschaft sind unumkehrbar und machen das Land moderner, rechtsstaatlicher und stabiler.
Unabhängiges Kasachstan in einer geopolitisch umkämpften Nachbarschaft
Inmitten einer Welt im Umbruch beschreibt Tokajew die Notwendigkeit einer aktiven, eigenständigen Außenpolitik. Statt Zuschauer am Rand zu bleiben, setzt Kasachstan darauf, neue Impulse in der schwierigen eurasischen Nachbarschaft zu geben. Chancengleichheit, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind für Tokajew die zentralen Bausteine, damit sein Land nicht zwischen den Blöcken zerrieben wird.
Knotenpunkt der eurasischen Handelsströme — Projekt Mittlerer Korridor
Als Land an der Kreuzung bedeutender Handelsrouten sieht sich Kasachstan als künftigen Dreh- und Angelpunkt für Warenströme von Ost nach West. Tokajew will insbesondere die „Mittlere Korridor“-Initiative vorantreiben – sie soll Kasachstan langfristig zu einer tragenden Säule des Schienen- und Straßenverkehrs in Eurasien machen.
Ressourcen, Energie, Hightech: Zukunftsmärkte im Blick
Tokajew unterstreicht: Ohne sichere Energie und Rohstoffe bleibt jede technologische Ambition Illusion. Daher rücke Kasachstans Rolle als Rohstofflieferant (vor allem für seltene Erden und kritische Mineralien) immer stärker in den Fokus – verbunden mit Ausbaupartnerschaften mit den USA, China, der EU und weiteren Ländern. Die Modernisierung klassischer Industrien geht dabei Hand in Hand mit dem Aufbau von Rechenzentren und modernen Fertigungen.
Technologische Revolution: Digitalisierung als Überlebensfrage
In Sachen Digitalisierung will Tokajew keine halben Sachen machen: 2026 soll als Jahr der Digitalisierung und KI in die Geschichtsbücher eingehen. Der Aufbau einer digitalen Infrastruktur, die Gründung eines KI-Ministeriums und die Entwicklung von Pilotprojekten, wie "CryptoCity", sollen zeigen, dass Kasachstan bereit ist für den Sprung ins digitale Zeitalter. Große Hoffnung setzt man auf Innovationsökosysteme wie den Astana Hub mit über 2.000 Tech-Firmen.
Politische Zäsur per Referendum
Wie Tokajew ankündigte, steht 2026 auch eine weitgreifende Verfassungsreform ins Haus. Ein Referendum wird vorbereitet – die beabsichtigten Änderungen gelten als so umfassend, dass sie faktisch einer neuen Verfassung gleichkämen. Dennoch pocht Tokajew auf die Leitplanken eines präsidentiellen Regierungssystems mit starker Gewaltenteilung.
Kasachstan präsentiert sich unter Präsident Tokajew als Land im Aufbruch: Mit stetigem Wirtschaftswachstum, umfassenden Reformen und einer aktiven Position in der internationalen Politik setzt das Land auf mehr Eigenständigkeit – vor allem im Angesicht globaler Unsicherheiten. Die Ausrichtung auf technologische Innovation (Digitalisierung, KI, Rohstoffe) ist dabei zentral, ebenso die Positionierung als logistisches Bindeglied zwischen Asien und Europa. Interessant ist, dass Kasachstan gezielt partnerschaftliche Beziehungen in viele Richtungen (EU, China, USA) sucht und dabei zugleich eine Modernisierung ohne massive gesellschaftliche Verwerfungen anstrebt.
Laut aktuellen Meldungen setzt Kasachstan die angekündigten Reformen zügig um: Das Digitalministerium treibt flächendeckende KI-Lösungen voran, während der Mittlere Korridor entlang der Seidenstraße logistische Rekorde vermelden kann. Außerdem gibt es vermehrte Kooperationen beim Rohstoffabbau, etwa mit deutschen Industriepartnern – was angesichts der globalen Lieferengpässe bei seltenen Erden sukzessive wichtiger wird. Auch innenpolitisch bleiben die Fortschritte nicht unbemerkt: Die kasachische Zivilgesellschaft diskutiert angeregt die geplanten Veränderungen – was für Länder in der Region nicht selbstverständlich ist.