Kaum Störungen im CineStar-Betrieb trotz Streikwelle – Besucher merken wenig

Lübeck – Während der jüngsten Tarifauseinandersetzungen bei CineStar reagierten nur wenige Standorte mit Arbeitsniederlegungen. Auffällig blieb jedoch: Für das Kinopublikum blieb fast alles beim Alten, denn der reguläre Betrieb konnte weitgehend aufrechterhalten werden – wesentliche Einschränkungen gab es kaum.

heute 14:20 Uhr | 4 mal gelesen

Auf den meisten CineStar-Standorten, die sich am Wochenende am Streik beteiligten, fiel kaum auf, dass dort überhaupt gestreikt wurde. Die Kinos liefen weiter, Filme wurden gespielt, das gewohnte Popcorn-Duft-Gemisch blieb unverändert in der Luft. Nur rund ein Viertel der Häuser legte die Arbeit nieder, der Rest fuhr das Programm ganz normal weiter. Einige Besucher mögen vielleicht flüchtig ein ungewohntes Gesicht an der Kasse oder die etwas längere Schlangenbildung wahrgenommen haben, aber von Chaos oder wirklichen Ausfällen war nirgendwo die Rede. Geschäftsführer Oliver Fock lobte sein Team ausdrücklich für die Treue und die Bereitschaft, trotz der Unruhe zur Arbeit zu erscheinen: Für viele, so berichtet er, sei die Tätigkeit ohnehin eine nützliche und bewusste Ergänzung zum Alltag – besonders für Schüler oder Studierende. Böse Zungen könnten meinen, der Streikschock sei ausgeblieben, weil die meisten Angestellten schlicht zufrieden sind – oder den Job eher als flexiblen Nebenverdienst betrachten. Es bleibt jedenfalls festzustellen: Ein Kinosterben wegen ein paar Tagen Arbeitskampf blieb aus – zumindest vorerst.

Letzte Woche kam es an vereinzelten CineStar-Standorten zu Warnstreiks aufgrund der stockenden Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem Unternehmen. Ver.di fordert für Servicekräfte erhöhte Löhne zwischen 23,1 und 31,5 Prozent sowie eine satte Steigerung der jährlichen Sonderzahlung um 76 Prozent – Forderungen, die CineStar als kaum realisierbar brandmarkt, mit Hinweis auf drohenden Arbeitsplatzabbau. Obwohl die Verhandlungen festgefahren erscheinen, signalisiert CineStar weiterhin Gesprächsbereitschaft und betont aber seinen wirtschaftlichen Handlungsspielraum. Parallel spitzt sich in Deutschland der Arbeitskampf in der Kino- und Gastronomiebranche insgesamt weiter zu, wobei in Berlin, Hamburg und anderen Großstädten viele Beschäftigte auf ausbleibende Lohnanpassungen aufmerksam machen – auch andere große Kinoketten wie UCI oder Cinemaxx sind betroffen, wobei die Beteiligung und Auswirkungen vor Ort jeweils unterschiedlich ausfallen. In der öffentlichen Diskussion wird zunehmend die Frage aufgeworfen, wie viel Wert Wertschätzung noch hat, wenn Arbeitskräfte häufig im Rahmen prekärer Teilzeitmodelle beschäftigt werden und Inflationsausgleich kaum ankommt.

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