Kein Aufbegehren gegen Rechtsrock: MDR-Doku über Neonazi-Konzerte in Brattendorf

Leipzig – Das idyllisch wirkende Brattendorf in Südthüringen hat sich binnen kürzester Zeit zum Magneten für Neonazis und rechte Bands aus aller Welt entwickelt. Der Widerstand gegen diese rechte Infrastruktur? Er bleibt vor Ort meist aus, während Tommy Frencks Gasthof zum Epizentrum rechtsextremer Musikveranstaltungen wächst. Das Leben im Dorf ist gespalten, Mutige kämpfen dennoch gegen die rechte Szene – im neuen MDR-Film, ab sofort in der ARD Mediathek und am 11. März 2026, um 20:15 Uhr im MDR.

heute 13:05 Uhr | 4 mal gelesen

Seit gut anderthalb Jahren betreibt der bekannte Neonazi Tommy Frenck in Brattendorf einen Gasthof, der zur rechten Pilgerstätte avanciert ist. Hier gibt’s nicht nur rechtsextreme Konzerte, fast wöchentlich, sondern auch erschreckende Events wie Kinderweihnachten mit Nazi-Liedermachern unter der bedrohlichen 'Schwarzen Sonne' im Gastraum. Die Behörden? Sie sind oft tatenlos geblieben – und das, obwohl sie einst gegen Frencks Großkonzerte in der Gegend erfolgreich interveniert hatten.

Nach jahrelangem Streit um das Vorkaufsrecht der Gemeinde musste Frenck 2024 seinen alten Schuppen, den 'Goldenen Löwen' in Kloster Veßra, dichtmachen. Währenddessen erstarkte der parlamentarische Einfluss der Rechten: Die AfD, vom Verfassungsschutz eindeutig als rechtsextrem eingeordnet, holte 2024 fast 40 Prozent bei der Landtagswahl in Hildburghausen. Frenck selbst verfehlte den Bürgermeisterposten zwar knapp, ist aber weiterhin in die Geschäfte mit Hass und rechter Musik verstrickt.

Was die meisten übersehen: Schon lange vor seinem Einzug in Brattendorf hatte sich das rechtsextreme Netzwerk dort Immobilien gesichert – scheinbar ohne Aufsehen. Der 'Goldene Löwe' in Kloster Veßra war über Jahre das Zentrum der extrem rechten Szene, Festivalbesucher aus ganz Deutschland reisten an und verpassten dem Land den Makel 'Rechtsrockland'. Währenddessen formierten sich demokratische Bündnisse zum Schutz der Zivilgesellschaft, allen voran das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra – eine Zufluchtsstätte für Engagierte, die, trotz Drohungen, nicht schweigen.

Regie: Johanna Hemkentokrax.

Die MDR-Doku blickt hinter die Kulissen eines Dorfes, das längst zu einer Drehscheibe rechtsextremer Musik und Netzwerke geworden ist. Während sich offener Protest gegen Frencks rechten Gasthof in Brattendorf kaum regt, formiert sich andernorts in Südthüringen Widerstand, insbesondere durch etablierte Bündnisse engagierter Bürger:innen. Recherchen diverser Medien berichten, dass Neonazi-Konzerte und rechte Infrastruktur in Thüringen weiterhin florieren, Behörden oft überfordert oder tatenlos bleiben und rechtsextreme Parteien politischen wie sozialen Einfluss ausbauen. Die aktuelle Presse spiegelt eine zunehmend angespannte Stimmung in der Region wider: Unlängst wurden größere Polizeieinsätze bei rechten Konzerten dokumentiert, Bürgerinitiativen berichten von massiven Bedrohungen und Wissenschaftler*innen warnen vor einer Normalisierung rechter Events. Ein weiteres Problem bleibt die finanzielle Basis: Die Rechte zieht mit ihren Veranstaltungen enorm hohe Gewinne aus Eintritt, Merchandising und Gastronomie, was den Widerstand zusätzlich erschwert.

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