Neues EU-Gesetz für digitale Fahrtenschreiber: Kommen Preisschock und Engpass im Lieferverkehr?

Ab Juli steht so einiges Kopf in der Transportbranche: Die EU verlangt für grenzüberschreitende Fahrten mit Kleintransportern (zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen) den Einbau moderner Digital-Tachographen. Bisher galten diese Vorschriften nur für Lkw, doch jetzt trifft es auch kleinere Fahrzeuge, sofern sie im Ausland unterwegs sind. Für rein deutsche Touren bleibt alles beim Alten.

heute 10:22 Uhr | 1 mal gelesen

Die Transportwelt wirkt zurzeit etwas panisch – oder sagen wir, überrascht und unter Druck. Laut International Road Transport Union hinken etwa 90 Prozent der betroffenen Transporter beim Nachrüsten digitaler Tachographen gewaltig hinterher. Werkstatt-Termine sind rar wie Parkplätze in der Hamburger Innenstadt, technische Details bleiben unklar und die Kosten spürbar hoch. Diese Lage gefällt niemandem so richtig – weder kleinen noch großen Unternehmen. Und das bleibt nicht ohne Folgen für die Preise: Wer weniger Kilometer am Tag fahren darf, weil eine gesetzliche Pause winkt, legt die laufenden Kosten zwangsläufig auf eine kürzere Strecke um. Das spüren die Kunden: In Umfragen gehen fast alle befragten Firmen von saftigen Kilometersätzen aus und bereiten Preiserhöhungen vor. Außerdem könnten die Lieferzeiten – gerade international – länger werden. Es könnte sogar dazu kommen, dass kleinere Transportfirmen vom Markt verschwinden, weil die Nachrüstung zu teuer ist. "Manche rüsten um, andere wechseln zu größeren Fahrzeugen, einige geben auf. Insgesamt wird das Angebot an verfügbaren Transportern wohl schrumpfen", so resümiert Timm Trede von zipmend. Fazit: Wer nach Sommer schnelle Transporte ins Ausland braucht, sollte dicke Portemonnaies und etwas Geduld mitbringen – besonders für lange, internationale Strecken, wo der Engpass noch deutlicher zu spüren sein dürfte.

Zum 1. Juli 2024 greift die Verpflichtung zum intelligenten Fahrtenschreiber auch für Kleintransporter im grenzüberschreitenden Einsatz. Viele Unternehmen sind noch nicht vorbereitet; Engpässe bei Werkstätten und hohe Kosten erschweren die Nachrüstung. Die Regeln erfassen verpflichtend die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie – je nach Fahrt – Entsendevorschriften. Experten schätzen, dass dies zu steigenden Kosten, weniger verfügbaren Transportern und längeren Lieferzeiten führen wird. Neue Hintergründe: Das Mobilitätspaket I der EU will damit faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und Sozialdumping verhindern; Branchenverbände wie der DSLV sehen jedoch massive bürokratische Belastungen für Mittelständler. Nach aktuellen Berichten diskutieren Unternehmen und Verbände bereits Alternativen wie Zusammenschlüsse oder Flottenanpassungen, um den Preisanstieg zu dämpfen und Fahreranstellungen attraktiver zu gestalten. Gleichzeitig gibt es Kritik am schleppenden Digitalisierungstempo in vielen Werkstätten sowie Sorgen vor Fahrermangel und weiter steigenden Betriebskosten.

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