Kiel-Studie: Handelsabkommen zwischen EU und Indien könnte Milliarden bringen

Ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien wirft laut neuer Analyse große Schatten voraus – für beide Seiten könnten erhebliche Wohlstandsgewinne rausspringen.

heute 21:42 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn man den aktuellen Zahlen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft Glauben schenkt, steht der EU und Indien womöglich ein kleiner ökonomischer Befreiungsschlag bevor. Das Handelsblatt greift in seiner Dienstagsausgabe die Ergebnisse einer neuen Studie auf: Das Bruttoinlandsprodukt – die vielleicht etwas trockene Messgröße für wirtschaftliche Aktivität – könnte auf beiden Seiten jährlich um etwa 0,12 bis 0,13 Prozent zulegen. Klingt auf Anhieb unspektakulär, aber bei den Dimensionen summiert sich das auf satte 22 Milliarden Euro zusätzlich für die EU und 4,2 Milliarden Dollar für Indien. Noch spannender sind die erwarteten Export-Sprünge. Indiens Verkäufe in die EU sollen laut Berechnung gleich um 41 Prozent steigen, umgekehrt könnten die nach Indien exportierenden Unternehmen gar mit einem Anstieg um 65 Prozent rechnen. Besonders rosige Zeiten hätten europäische Chemiekonzerne vor sich: Mit einem Export-Plus von 205 Prozent (ich musste ehrlich gesagt zweimal hinschauen, so hoch) gehören sie zu den großen Gewinnern. Maschinenbau (56 Prozent mehr), Elektronik (153 Prozent) und Kunststoffhersteller (169 Prozent) stehen ebenfalls prächtig da – zumindest auf dem Papier. Währenddessen hält sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Indien auf; offenbar laufen die letzten, vermutlich zähen, Verhandlungsrunden. Ziel: Noch diese Woche ein Ergebnis präsentieren. Ob dabei dann wirklich alles so aufgeht wie die Zahlen es suggerieren – manche würden ja sagen, das ist auch immer ein bisschen Kaffeesatzleserei – wird sich zeigen.

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte eine neue Ära der Wirtschaftszusammenarbeit einleiten und vor allem den Handelsaustausch potenziell revolutionieren. Im Zentrum stehen massive Zugewinne für die Chemiebranche, aber auch Maschinenbau, Elektronik und die Kunststoffindustrie stehen wirtschaftlich vor einem möglichen Boom. Während die Studie des Kiel Instituts optimistische Zahlen präsentiert, verweisen manche Experten auf weiterhin bestehende Handelshemmnisse wie Zölle, uneinheitliche Standards und regulatorische Hürden, die das tatsächliche Potenzial dämpfen könnten. Laut Recherchen bleibt abzuwarten, wie weitreichend und nachhaltig diese Effekte tatsächlich sein werden, da unter anderem ökologische und soziale Auswirkungen seltener betrachtet werden. Indiens Premier Modi sieht das Abkommen nicht nur als wirtschaftlichen Fortschritt, sondern auch als ein geopolitisches Signal – vor allem mit Blick auf das erstarkende China und die unstete Weltlage. Dass ein Freihandelsabkommen allein die Welt nicht neu erfindet, ist klar – aber die Erwartungen und Hoffnungen auf beiden Seiten sind definitiv groß.

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