Manchmal, wenn wir an späten Nachmittagen durch die Wohnung schlendern, gräbt sich die Realität eines Verlustes tiefer als jede Erinnerung. So erzählt Siri Hustvedt: Sie versucht, Paul Auster – Ehemann, Partner, Komplize im Denken – einen Hauch Leben einzuhauchen, auch nach seinem Tod. In 'Ghost Stories' zeichnet sie Liebesbriefe, Skizzen von Alltäglichem, Tagebuchfragmente – und überrascht mit der Offenheit, intime Momente zu teilen, etwa Austers Briefe an Enkelsohn Miles. Ein Kind, das erst wenige Monate alt ist und früh den Großvater verliert, bekommt so einen Dialog geschenkt, der andernorts unmöglich wäre. Und manchmal, sagt Hustvedt, sucht sie darin nicht nur Paul, sondern auch Spuren von sich selbst in diesem "Dazwischen" – jenem dritten Raum, der nur im Miteinander wächst. Da mischen sich essayistische Überlegungen mit konkreten Erinnerungsfetzen – und ganz nebenbei mahnt sie, während die Welt sich nach rechts dreht, die Kunst des Aussprechens nicht zu verlieren. Was ist eigentlich das Gute, fragt sie, während der Rest vor allem die Defizite seziert? 'Ghost Stories' ist ein literarischer Versuch, einen Dialog nicht sterben zu lassen, und erinnert daran, dass selbst Trauer mehrstimmig ist.
Siri Hustvedts 'Ghost Stories' sind nicht nur literarische Erinnerungsstücke, sondern auch ein mutiger Brückenschlag zwischen Vergangenem und Gegenwart. Die Autorin reflektiert darin ihre langjährige Ehe mit Paul Auster: Raum für Intimität, für Zweifel, für Alltägliches, aber auch für gesamtgesellschaftliche Überlegungen – etwa zum Zustand politischer Debatten und Beziehungen. Ergänzend zu den Erstinformationen fällt auf: Viele Feuilletonbeiträge der letzten Tage betonen, wie Hustvedt mit Brutalität und Zärtlichkeit gleichermaßen die Präsenz von Trauer und Liebe plastisch macht. Sie zieht zudem Parallelen zur gegenwärtigen Gefährdung demokratischer Grundwerte und plädiert für die Notwendigkeit von lebendigem, ehrlichen Dialog nicht nur in der Liebe, sondern auch im öffentlichen Diskurs. Dass sie in ihren Memoiren nicht ins Heldenhafte oder Pathetische verfällt, sondern vielmehr die feinen Risse und Reibungen eines langen Zusammenlebens zeigt, macht das Buch laut aktuellen Rezensionen so lesenswert.