Es klingt fast wie ein schlechter Scherz, aber die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Das Klima für Journalistinnen und Journalisten hat sich weltweit so verschlechtert, dass nur noch etwa ein Prozent der Menschheit in einem Land mit einigermaßen freier Presse lebt. Reporter ohne Grenzen (RSF) schlägt in seinem aktuellen Bericht Alarm – mehr als die Hälfte aller Staaten wird mittlerweile als schwierig oder sehr ernst im Hinblick auf Pressefreiheit bewertet. Besonders bitter: Selbst vormals stabile Demokratien geraten ins Rutschen. Juristische Verschärfungen, polarisierte Debatten und ein immer feindlicheres gesellschaftliches Klima treffen Medienleute nun auch an Orten, die sich bislang als Schutzräume sahen.
Deutschland? Auch hier stehen die Zeichen nicht gerade auf Entspannung. Platz 14 – das ist ein weiterer Abstieg. Viele Redaktionen berichten, dass Themen wie Nahost zu nervenaufreibenden Diskussionen führen, und dass sich Bedrohungen nicht mehr nur auf Demonstrationen, sondern längst auch digital abspielen. Angriffe, Anfeindungen, eine regelrechte Abwertung der journalistischen Arbeit gehören inzwischen vielerorts zum Alltag.
Weltweit lässt sich ein gefährlicher Trend beobachten: Journalismus wird nicht nur diffamiert, sondern regelrecht kriminalisiert. Gesetze werden so umgebaut, dass kritische Berichterstattung zur Falle werden kann – oder zur Existenzbedrohung. In Russland, China, der Türkei und anderen Staaten ist das längst traurige Routine. Aber selbst in traditionell als frei geltenden Ländern geraten Reporter:innen in Bedrängnis, sei es durch politische Polarisierung oder durch vermeintliche Anti-Terror-Maßnahmen, die sich plötzlich gegen Medien wenden.
In Krisen- und Kriegsregionen wie Gaza, Irak oder Sudan ist der Beruf ohnehin mit Lebensgefahr verbunden: Im letzten Jahr wurden über 67 Journalist:innen getötet, hunderte sitzen weltweit in Haft. Auffällig ist die Eskalation der Gewalt etwa im Nahen Osten, aber auch in Russland und den USA. Während etwa Norwegen oder die Niederlande relativ sichere Häfen bieten, dominieren am anderen Ende der Skala weiterhin Staaten wie Eritrea, Nordkorea oder China das triste Bild. Saudi-Arabien rutscht neu unter die letzten Zehn – und das mit Gründen, die schaudern lassen.
Bedenklich ist außerdem: Selbst in Mediennationen wie Deutschland bröckelt die Zuversicht. Die Delegitimierung der Arbeit durch gezielte Kampagnen, ständige Angriffe online wie offline und eine wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung machen ein unbeschwertes Arbeiten nahezu unmöglich. Die Weltkarte der Pressefreiheit wird von Jahr zu Jahr schmaler, die Lücken wachsen – und die Sorgen ebenso.
Ob all diese Entwicklungen Umkehrbar sind? Im Moment sieht es nicht danach aus. Aber es bleibt die Hoffnung, dass Berichte wie dieser – so ernüchternd sie klingen – zumindest das nötige Bewusstsein schaffen, um für Pressefreiheit nicht nur Sonntagsreden zu halten, sondern auch in Alltag und Politik einzustehen.
Der RSF-Bericht 2026 markiert einen beispiellosen Tiefpunkt für die weltweite Pressefreiheit: Kaum mehr als ein Prozent der Menschheit kann noch in einer Umgebung unabhängiger Berichterstattung leben. Die Ursachen sind vielschichtig: Rechtliche Verschärfungen, systematische Repression, ansteigende Gewalt und politische Hetze betreffen zunehmend auch demokratische Gesellschaften. Gerade in Deutschland muss man feststellen, dass Journalisten – getrieben von einer polarisierten Öffentlichkeit und digitalen Angriffen – ebenso zunehmend unter Druck geraten wie ihre Kollegen in klassisch repressiven Ländern. Global gesehen führen Kriege, staatliche Übergriffe und populistische Regierungen dazu, dass selbst etablierte Medienhäuser kaum noch frei berichten können. Besonders gravierend ist, dass die Kriminalisierung journalistischer Arbeit an Dynamik gewinnt – von China bis in die EU. Der kritische Befund des RSF findet breite Resonanz, unter anderem haben taz, Spiegel und die Süddeutsche Zeitung in den letzten Stunden ausführlich über die neue Pressefreiheits-Rangliste berichtet und rechnen übereinstimmend mit einer weiteren Zuspitzung der Lage in den kommenden Jahren.